Aussage des Ärztekammer-Präsidents

Von Boris Reitschuster

Ärztekammer-Präsident: Lauterbach ist kein Arzt, heftiger Vorwurf: Minister betreibe „Aneignung“.

Ganz offen gestanden glaubte ich zuerst, es müsste ein Fake sein, als ich dieses Zitat von Ärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt las: „Karl Lauterbach hat Medizin studiert, ist aber kein Arzt.“ Doch die Aussage ist authentisch – wie ich mich anhand eines Videos überzeugen konnte:

Mehr noch – Reinhardt machte sie öffentlich auf einer Tagung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Und zog noch weiter vom Leder: Man müsse das Verhalten des Ministers, der sich Arzt nennt, „eigentlich als Aneignung bezeichnen“. Sofort brandete in der Versammlung Applaus auf.

Weil Lauterbach kein Arzt sei, sei es „total unangemessen“, wenn er von „wir“ spreche und so tue, „als nehme er an der Versorgung teil“, so Reinhardt. Dafür bekam er erneut Applaus von den versammelten Kollegen. Ebenso beachtlich wie diese Aussagen ist die Tatsache, dass sie in keinem der großen deutschen Medien erwähnt wird. Dabei hat es durchaus Relevanz, wenn der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung einem Minister, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit – und dank Talkshow-Dauerticket bieten sich viele –  damit hausieren geht, er sei Arzt, genau diese Eigenschaft abspricht.

Damit bezieht sich Reinhardt zwar offensichtlich nicht auf die juristische Definition des Begriffs – sondern auf die unter Medizinern übliche. Lauterbach hat zwar eine Approbation und ist damit de jure Arzt, aber eben nicht im Sinne seiner Kollegen, weil er als Politiker arbeitet und nicht als Mediziner. Und damit fern von der ärztlichen Praxis ist. Kritiker werfen Lauterbach zudem vor, er habe auch nie als normaler Arzt im herkömmlichen Sinne gearbeitet – erwecke aber gerne diesen Eindruck. Etwa, als er von sich sagte, er sei Impfarzt. Auch hier wieder: De jure richtig, de facto falsch.

Dieser Etikettenschwindel ist aber nur wenigen offensichtlich, und die Medien spielen dabei munter mit.

Auslöser von Reinhardts Unmut war aber offenbar nicht die Corona-Politik des verschrobenen Sozialdemokraten, und auch nicht seine Panikmache, sondern seine allgemeine Gesundheitspolitik. Das legt ein Bericht der Ärzte-Zeitung vom gleichen Tag nahe, demzufolge Reinhardt Lauterbachs Pläne zur Stabilisierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung massiv kritisierte: „Das GKV-Finanzstabilisierungs-gesetz ist kein durchdachtes, schlüssiges Konzept. Es ist ein reines Spargesetz – mehr nicht.“

Weiter heißt es in dem Bericht: „Kritisch sieht Reinhardt insbesondere die in dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz vorgesehene Streichung der extrabudgetären Vergütung für Neupatienten in den Arztpraxen. ‘Es ist ja nicht nur so, dass durch den geplanten Wegfall der Neupatienten-Regelung rund 400 Millionen Euro in der Versorgung fehlen, es kommen ja zugleich noch ganz erhebliche Mehrkosten durch die steigenden Energiepreise und die galoppierende Inflation auf die Praxen zu. In Anbetracht dieser Belastungen reicht es nicht aus, nur den Krankenhäusern einen Finanzausgleich zu zahlen. Auch die Arztpraxen müssen unterstützt werden. Letztlich sind 650 Millionen Behandlungsfälle in der ambulanten Versorgung betroffen‘, sagte er.“

Schade, dass die Kassenärztliche Vereinigung mit ihrer Kritik an Lauterbachs Qualifikation so spät kommt. Und sie es sich in Sachen Corona verschluckte.

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