AfD hin Pegida her

Neulich unterhielt ich mich mit einem Freund, der meinen Artikel Das Hohe Haus in der futura99 gelesen hatte. Er sei auch schon mal auf der Tribüne des Reichstags gesessen, sagte er, hätte es aber nicht lange ausgehalten. Er hatte sich umgeschaut zu den anderen Besuchern und auf vielen Gesichtern Unwillen, sogar Abscheu entdeckt. Das Plenum war nur schwach besetzt, imgrunde leer, nur in den ersten Reihen saßen einige Abgeordnete, die Regierungsbank bis auf wenige Staatssekretäre völlig verwaist. Ich hatte den Eindruck, sagte mein Freund, sie seien dazu verdonnert worden, sozusagen als Attrappe. Sein Resümee war: Wer dieses jämmerliche Schauspiel betrachtet, kann nur zu dem Schluß kommen, daß unsre Politik überall, nur nicht im Hohen Haus, wie es so hochtrabend heißt, zustande kommt.

AfD hin Pegida her

Foto: tagesspiegel.de

Das Ganze ist also nur ein Politikersatz, ein Placebo sozusagen, erwiderte ich. Ja, sagte mein Freund, ein Reklametrick und ein schlechter dazu. Und was wunders, wenn sich die Leute abkehren von soviel Stümperei und Verlogenheit und bei Pegida und sonstwo mitmarschieren.

Und was hältst du von der AfD, fragte ich. Nun, sagte er, das ist schon ein größeres Kaliber. Das merkt man schon daran, wie sehr sich die Politschranzen aus CDU, CSU, SPD und die andern dagegenstemmen. Sie sehen ihre Wähler davondriften und damit verbunden ihre Macht. Wir brauchen uns nur daran erinnern, wie es war, als die Grünen sich zur Partei mauserten. Alles wurde über sie gekübelt: Chaoten, Spinner, kurzum, sie seien regierungsunfähig. Das war vor Jahren, als sie noch wirklich für mich wählbar waren, jetzt sind sie ja mehr oder minder genau so verkommen und machtgeil wie die etablierten Parteien.

Aber sie werden umgarnt von ihnen, sagte ich, wohl nur aus machtpolitischen Spielchen, wenn es nicht mehr anders geht, sein Pöstchen zu behalten. Ja, sagte mein Freund, jetzt sind sie regierungsfähig.

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