advent: osnabrück 1985 berlin 2019

Foto: Friedel Kantaut

…ich bin gestern aus berlin zurück gekommen. gut zu merken, dass die welt größer – nicht besser – ist als diese sieben kubikmeter mensch, die meinen alltag bestimmen – und, die mauer geht durch meinen kopf. eine zeitreise nach ostberlin, eine weitere in die hausbesetzerszene. die historischen kostüme sind schwarz eingefärbt. kreuzberg – unter dem betonhimmel schwebt ein schwelendes brikett. smog und das luftholen in den räumen. macht die fenster auf, damit die da draußen auch atmen können!

zeitreise – du sitzt an einem tisch, esszimmer, ca. 1960, platz für sechs personen, bei bedarf – familienfeier – ausziehbar, vor mir, becher mit henkel, übervolle aschenbecher, bierflaschen, leere, halbvolle, schmutzige gläser, eine flasche fanta, mindestens 3% orangensaft, tababakbeutel, zigarettenschachteln, papers, das deckblatt abgerissen, jetzt reist du durch die zeit, 1969, 70, 76, 84…..die am tisch reden immer schneller, ideen verkürzen sich zu lauten, moden wechseln in sekunden, alles um dich herum beschleunigt. nur dieser tisch vor dir verändert sich nie, becher, bierflaschen, geknüllte tabakbeutel sind die armaturen einer zeitmaschine…

anita hat mich verlassen, und ich schreie. der wahnsinn, nur um die eigene berührbarkeit, verletzbarbarkeit zu erhalten, den totalen zusammenbruch zu riskieren. ich weiß nicht einmal, ob du schön oder intelligent bist, aber du bist köstlich. am küchentisch sitzen und dichten: postboten bluten gelb, ich weiß es, er war eben hier, und wieder keine post von dir…..

….mein sohn, 5jahre, lebt bei seiner mutter, hat angerufen. wann kommst du uns besuchen! vielleicht bald…home is where your heart is. wo bin ich.

fürchte dich nicht. du bist in sicherheit, du sitzt am esszimmertisch.

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