das spiel

Zeichnung: Rolf Hannes

das spiel findet am gelände der ehemaligen papierfabrik statt jeder von uns beiden hat fünfhundert kleine speere etwa zweimal so lang wie zahnstocher nun werfen wir diese metallenen speere nacheinander gegen unsere nackten körper du wirfst sehr zielsicher und bald stecken dreihundert speere in mir die meisten in meiner brust und meinem bauch ich habe dich ebenso gut getroffen aber von meinen speeren blieb nur jeder zweite in dir stecken die anderen fielen zu boden und zählen somit nicht so steht es in den regeln ich bin also mit hunderfünfzig zu dreihundert im rückstand das ist kaum mehr aufzuholen ich frage dich ob es vielleicht an deiner neuen hautcreme liegt dass nur jeder zweite speer in dir stecken bleibt du lachst herzlich und sagst du hättest mir sogar vor dem spiel die creme angeboten ich hätte sie aber abgelehnt das hätte ich nun davon jetzt wird mir alles klar ich werfe verzweifelt weiter und treffe dich auch sehr gut aber exakt jeder zweite speer gleitet wieder ab von deiner eingecremten haut du lachst siegessicher und triffst mich weiter mit jedem speer der in mir stecken bleibt und kleine wunden verursacht die nach innen bluten so spielen wir unser spiel zu ende du lachend ich enttäuscht enttäuscht von mir selbst von meinem verhängnisvollen fehler den ich noch vor beginn des spiels begangen habe und der nicht wieder gutzumachen ist das spiel war längst entschieden ehe es begonnen wurde warum habe ich dein angebot nicht angenommen der vierhundertneunzigste speer trifft mich im linken auge ich höre dich immer noch lachen der vierhundertsechsundneunzigste durchbohrt meine unterlippe die letzten vier spüre ich nicht mehr

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