Kreuzungen


Zeichnung: Rolf Hannes

In seinem Garten hatte sich mein Großvater eine kleine Werkstatt eingerichtet, niemand durfte sie ohne seine Erlaubnis betreten, auch meine Großmutter nicht. Die Hütte hatte er von allen Gartengeräten, die dort seit Generationen aufbewahrt wurden, befreit. Er sagte, sie könnten genau so gut im Keller lagern. Meine Großmutter murrte nur hin und wieder, weil sie nun zu wenig Platz für ihren Krimskrams habe. Mein Großvater hatte sich sein Labor, wie er sagte, so eingerichtet, manchmal übernachtete er sogar darin.. Er zog sich dann nicht aus, sondern legte sich einfach auf eine etwas abgepolsterte Pritsche. Daneben hatte er sich ein Telefon einrichten lassen, und so rief er seine Frau an, er stecke noch in einer wissenschaftlichen Arbeit, die es erfordere, in Abständen übernacht danach zu schauen.

Mein Großvater war ein rechter Kauz, ich mochte ihn besonders gern, und er wohl auch mich. Einmal nahm er mich beiseite und erzählte aus seinem bewegten Leben. Er war zur See gefahren als junger Mann. Damals ging das noch, sagte er, wenn man irgendwo einen Onkel oder sonstwie Verwandte in einer Schiffsagentur hatte, sich in einem Beruf auskannte, ich war ja Zimmermann, wie du weißt, war gesund, was ich jetzt noch bin wie du weißt, nicht auf den Kopf gefallen, und dabei schaute er mich an, und ich sagte, wie ich weiß, dann, sagte er, nahmen sie einen. Und ich schaute ihn weiter fragend an. Du wirst nicht gleich 1. Offizier oder Steuermann, sagte mein Großvater, wer will denn das auch, nein, erstmal Schiffsjunge für alles, was mit Holz zu tun hat. Damals gab es noch viel Holz auf den Schiffen, die Planken, die Kojen, die Bänke, die Tische, fast alles war aus Holz. Vieles mußte während der Fahrt ausgebessert werden. Wir wohnten zu zweit in einer Kajüte, ein Tischlermeister und ich, der ich sein Geselle wurde. Nichts ist besser, als solche Kumpanei, solche Kreuzungen, könnte man sagen. Was für Kreuzungen? fragte ich.

Eine Weile schwieg mein Großvater. Wir saßen auf der Gartenbank, ganz in der Nähe seiner Hütte, auf die wir nun beide schauten, wie wenn sie die Erklärung hätte für dieses geheimnisvolle Wort Kreuzungen. Schau mal, sagte mein Großvater, du weißt doch ungefähr, was ich so treibe. Die Großmutter sagt, erwiderte ich, du züchtest neue Stiefmütterchen, und es gäbe schon genug. Ja, sagte mein Großvater, genug gibt es schon von allem, da hat sie nicht ganz unrecht, dein Großmütterchen, auch von Plunder und Trödel. Aber du weißt doch, die Menschen können es nicht lassen, sie müssen kreuzen. Ja, so ist es, alles möchte irgendwie überkreuz laufen. Sogar die Schiffe, wenn sie die Handelsrouten aushecken.

Darüber dachte ich eine Weile nach. Mir war, wie wenn ich soetwas wie einen besonderen Gedanken in meinem Kopf spürte. Wenn ich etwas älter gewesen wäre, hätte ich ihn für einen philosophischen halten können. Kreuzungen, dachte ich, ist das am Ende etwas, das die Sachen reicher macht, farbiger, schöner?

Schau, sagte mein Großvater, die Kreuzung von einem Tischler und einem Zimmermann, ich meine, die Mischung dieser beiden Berufe, sie ergänzen sich nicht nur, sie ergeben was Neues. Man soll nicht alles miteinander kreuzen, das überhaupt nicht, das ergäbe nur Mischmasch oder Katastrophen, aber vieles ist geradezu in Erwartung darauf. Neulich ist mir eine wunderschöne Iris geglückt. Ich zeig sie dir demnächst. Sie ist so wunderschön, wenn du in sie hineinschaust, denkst du an einen fürstlichen Palast. Oder an eine schöne Frau in einem Marmorbad.

Meine Gedanken wurden immer philosophischer, obwohl ich noch gar keine Ahnung davon hatte. Aber eine nackte schöne Frau in einem marmornen Bad konnte ich mir schon halbwegs erbaulich vorstellen.

Und sieh dich mal um, sagte mein Großvater, da sind die Menschen am schönsten, wo sie gekreuzt sind. Geglückte Kreuzungen sind mit das Schönste, was es gibt. Hast du die kleine Julia in der Nachbarschaft gesehn, dieses wunderschöne Geschöpf? Weit und breit das schönste Mädchen, das herumläuft. Und woher kommt sie? Sie ist die Kreuzung eines Bayern mit einer Friesin. Was sagst du nun?

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Die Quelle unseres Wohlstands Folge 3

In der EU plant man beim Green Deal, 10 Milliarden Bäume in Europa zu pflanzen, um den Klimaschutz zu fördern. Die Verantwortlichen vergessen aber ganz, dass wenn wir in Europa unser besonders fruchtbares Ackerland mit 10 Milliarden Bäumen bepflanzen, wir unsere Lebensmittel von zum Beispiel Südamerika her bekommen. Dort muss man aber dann 20 Milliarden Bäume fällen, oder verbrennen, da dort die Effizienz des Anbaus viel schlechter ist. Ein schlechter Deal für Umwelt, Klima und Europa.

Gleiches Bild zeigt sich in der Kampagne gegen Glyphosat. Nachdem das Argument der Krebserregung von Glyphosat sich relativierte, weil Glyphosat in  der gleichen Kategorie von wahrscheinlich krebserregenden Stoffen eingeteilt wurde wie heißer Mate Tee, oder rotes Fleisch,  wurde die Strategie geändert. Plötzlich war es nicht mehr gut für die Bienen, da sie ja nichts mehr auf einer Fläche, die mit Glyphosat behandelt wurde, finden würden. Ja das stimmt, aber wenn kein Gyphosat eingesetzt wird, wird stattdessen alles umgepflügt und dann steht da auch nichts mehr. Beim Pflügen braucht man aber 20l Diesel mehr und es wird auch noch Humus abgebaut, der dann als CO² in die Luft geht. Auch hier wird der Umwelt ein Bärendienst erwiesen.

Die Landwirte bekommen Ratschläge von Menschen, die offensichtlich der Meinung sind, sie wüssten, wie Landwirte es richtig machen sollten. Meist von Menschen, die mit praktischer Landwirtschaft nichts am Hut haben. Diese Ratschläge bekommen wir auch laufend von Redakteuren, Politikern und Vertretern spezieller Organisationen. Wir werden ständig in Talk-Runden von sogenannten „Experten“ so dargestellt, als wären wir unfähig, mit unserem Boden, den Pflanzen und unseren Tieren anständig umzugehen. War unsere mehrjährige Ausbildung also überflüssig? Reicht es heute schon, eine Ahnung von Dingen zu haben, die man nicht gelernt hat? Scheinbar reichen Ideologien und Traumvorstellungen aus, um das Geschäftsmodell NGO am Laufen zu halten.

Trotz all dieser Angriffe auf die Landwirtschaft, bin ich fest davon überzeugt, die Landwirtschaft ist nicht bedroht. Ob Hitzewellen, Starkregen, Hagel oder Pandemien, die Landwirtschaft hat gezeigt, sie reagiert auf Extremsituationen schon seit Jahren stabil. Ja, es gibt einen Strukturwandel, aber die Branche wird nie verschwinden.

Vielleicht ist die Grüne Attacke sogar eine Chance. Schon jetzt zeigt sich, die Rohstoffmärkte sind stark steigend. Der Hunger Chinas zieht die Weizen-, Mais- und Sojapreise stark in die Höhe. Wird nun die Produktion durch z.B. „Green deal“ oder ähnliches beschränkt, werden diese Preise weiter steigen, da das Angebot sinken wird. Unser Selbstversorgungsgrad mit Lebensmittel fällt seit Jahren kontinuierlich und ist derzeit bei 87% angekommen.

Im Zeitalter von Bigtec bleibt die Ernährung immer Grundlage des menschlichen Lebens. Jeder Mensch braucht immer Lebensmittel, sonst kann er nicht überleben.

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Die Quelle unseres Wohlstands Folge 2

Die ersten Bauernproteste haben im September 2019 mit den Grünenkreuzen begonnen. Begleitet von vielen bundesweiten Demonstrationen von Bonn bis Berlin. Als im November 2019 nach Polizeiangaben mehr als 40.000 Bauern mit 12.000 Traktoren aus ganz Deutschland nach Berlin kamen, und das sogar per Traktor vom Bodensee aus, um auf die Missstände der Agrarpolitik hinzuweisen, wurden erstmal die Zahlen der Demoteilnehmer in den öffentlichen Medien halbiert und nur am Rande kommentiert.

Die Forderungen der Landwirte wurden öffentlichkeitswirksam darauf reduziert, sie würden demonstrieren, damit sie weiterhin ungehindert Gülle und Glyphosat ausbringen dürfen. Dass die Forderungen viel weitreichender sind und waren, fand keinen Anklang bei der Öffentlichkeit. Es wurde zur Beruhigung der Landwirte zwar ein großer Gipfel von Kanzlerin Merkel einberufen, aber alle vorher geplanten Maßnahmen wurden ohne jegliche Änderung durchgedrückt. In den Medien wird von belastetem Grundwasser berichtet, was den Tatsachen nicht entspricht. Fakt ist, dass Deutschland nur die Brunnen mit schlechten Nitratwerten nach Brüssel gemeldet hat und so ein Sanktionsverfahren gegen Deutschland provoziert hat. Alle anderen EU Staaten haben Durchschnittswerte aller ihrer Brunnen gemeldet. Auch sind die Grenzwerte von Nitrat, genauso willkürlich gewählt wie die von Stickoxiden in der Luft. Lag der Grenzwert Ende der 80er Jahre noch bei 120mg Nitrat pro Liter Trinkwasser, liegt er heute bei 50mg/l. Wenn man dann noch bedenkt, dass in einem großen Salatteller 750mg Nitrat enthalten sind, erkennt man, was ein Grenzwert aussagt. Nach nun zahlreichen Änderungen der Düngeverordnung der letzten Jahre, die letzte ist noch keine zwei Jahre her, die noch keine Wirkungen zeigen konnten, da Grundwasserbildung Jahrzehnte benötigt, wurde nun der Gipfel der Unvernunft erreicht. In der neusten Fassung der Düngeverordnung muss nun 20% unter dem Bedarf der Pflanzen gedüngt werden. Das versteht nun auch der größte Laie, dass sowas nicht funktionieren kann. Mit solchen Maßnahmen laugt man den Boden aus und zerstört die Bodenfruchtbarkeit. Hier offenbart sich der fehlende Sachverstand, bzw. der Irrglaube an grüne Ideologien.

Hunderte von Protesten und Demonstrationen gab es seitdem mit zweimonatiger Mahnwache in Berlin, welche aber kaum Beachtung in den Medien fanden oder auch finden sollten. Es scheint so, dass auf der politischen Agenda ein Feldzug gegen die europäische Landwirtschaft geplant ist. Ob Green Deal, Farm to Fork, oder das Insektenschutzgesetz, alles zielt gut gesteuert daraufhin, den Agrarsektor in Europa zu schädigen. Oder warum zielt das Insektenschutzgesetz nur auf die Landwirtschaft ab und lässt folgen der Lichtverschmutzung, Elektrosmog, Zersiedlung und andere Zivilisationsprobleme außen vor? Geht es wirklich um das Wohl der Insekten, müsste auch dort dringend gehandelt werden.

Schluß folgt morgen.

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Die Quelle unseres Wohlstands

Der Artikel erschien zuerst bei World of Value. Autor ist Andreas Damm. Er bewirtschaftet mit Frau und 4 Kindern am Stadtrand von Frankfurt/M in der südlichen Wetterau einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Fragt man, woher unser heutiger Wohlstand kommt, denkt man sofort an Automobilindustrie, Maschinenbau, Welthandel, Dienstleistung und Börse. Die wenigsten würden an andere Bereiche unseres Lebens denken. Schon gar nicht an die Landwirtschaft. Doch diese ist es, ja gerade die moderne Landwirtschaft, die es uns ermöglicht, immer genug Nahrung zu erschwinglichen Preisen zu haben. Benötigte man im Jahre 1800 drei Bauern um einen Nicht-Landwirt zu ernähren, war es um 1900 so, dass ein Landwirt schon 3 Personen ernährte. 1950 stieg die Zahl auf 11 Personen und heute sind es weit über 160 Menschen die ein Landwirt in Deutschland ernährt. Diese enorme Effektivitätssteigerung setzt Arbeitskraft auf dem Land frei, die nun für Handwerk, Industrie und Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Lebensmittel wurden immer besser verfügbar und seit 70 Jahren ist Hunger in Deutschland unbekannt. Im Gegenteil, Lebensmittel sind zu einer Selbstverständlichkeit und zum Discountprodukt geworden, die nur noch 11% des Durchschnittseinkommens kosten. 89% stehen nun für Wohnen und freien Konsum zur Verfügung. Gerade in Mitteleuropa, in dem die besten Bedingungen für den Ackerbau herrschen und großflächig Naturkatastrophen die absoluten Ausnahmen sind, war die Keimzelle der industriellen Revolution. Auch im Umkehrschluss ist es heute noch so, wo schlechte Bedingungen für den Ackerbau herrschen, ist die Armut groß.

Diese Selbstverständlichkeit, Lebensmittel immer verfügbar zu haben, bedroht nun aber gerade unseren Wohlstand. Grüne Ideologien, die gerade versuchen, die moderne Landwirtschaft in Misskredit zu bringen, bedrohen unsere Versorgungssicherheit. Kaum jemand kann „Unser tägliches Brot gib uns heute“ noch nachvollziehen, dafür werden Ersatzreligionen wie „Vegan“ oder „Bio“ implementiert. Natürlich müssen Auswüchse moderner Technologie eingefangen werden und es gilt, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Was aber derzeit passiert, ist weder faktenbasiert, noch hat es etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Horrorbilder über Massentierhaltung, Nitrat, oder Pflanzenschutzmittel werden gezielt durch die Medien geschickt, haben aber nichts mit der Wirklichkeit in Deutschland zu tun. Die moderne Tierhaltung bringt mehr Tierwohl, moderner Ackerbau mehr Bodenfruchtbarkeit, als es noch vor 50 Jahren der Fall war. Die Zwangsläufigkeit, groß sei schlechter, stimmt einfach nicht.

Welcher Landwirt (Unternehmer) würde ein Tier quälen, wenn er eine hohe Leistung von ihm möchte. Nein, er sorgt für bestes Futter, ausgewogene Ernährung, gutes Stallklima und gesunde Haltung. Oder welcher Landwirt (Unternehmer) würde über Bedarf Dünger und Pflanzenschutzmittel aufs Feld bringen, das verursacht nur unnötige Kosten und hat keinerlei Effekte. Die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und nachhaltige Fruchtfolgen sind im eigenen Interesse. Das, was von Grünen Ideologen der Gesellschaft zur Aufrechterhaltung ihres Geschäftsmodells erzählt wird, und die Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Der Gesellschaft wird ein Bienensterben vorgegaukelt, dabei haben wir heute so viele Bienenvölker wie nie zuvor. Ökologische Landwirtschaft ist nicht zwingend besser, nein im Gegenteil, ihr Flächenverbrauch ist durch die geringere Ertragskraft sogar dreimal höher. Pilzgifte in biologisch erzeugten Ernteprodukten sind deutlich höher als in konventionell erzeugten, da dort gegen Schadpilze nicht vorgegangen werden kann. Diese Aflatoxine sind in ihrer Toxizität deutlich höher als die zugelassenen Fungizide selbst. Dies alles wird aber beim Grünen Framing nie erwähnt. Das grüne Framing behauptet sogar,  der moderne Ackerbau sei an seine Grenzen gekommen ist und splle eine Kehrtwende machen,  doch war unsere Versorgung in der 6000jährigen Geschichte des Ackerbaus noch nie so erfolgreich. 6000 Jahre „Bioanbau“ haben nur Hungersnöte, Leid und Auswanderungswellen gebracht.

Fortsetzung folgt.

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Unter den Füßen


Zeichnung: Rolf Hannes

Wieso brauchst du so lange zu dir … Es kann doch nicht nur an deinen kaputten Schuhen liegen … Und dann auch noch so zu thun, als sey nichts geschehn. In dir. Solln wir es demnächst Depressiönchen nennen. An der wir die Erde nicht spürten unter unsren Nägeln. In der das Herz mal anders tuckerte. Tackerte es dir gleich Angst ins Andersrumbluten. Verfahrnes Wiederfinden deiner geklauten Erinnerungen. Wenn du mit ihnen sprichst, zerrst du sie ins Präsenz. Wie schön du manchmal vom Schicksal aufn Arm genommen wirst … und der Boden unter unseren Füßen sich wegdreht …

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Philosophischer November

Philosophischer November im Schloss Ettersburg

Seit Peter Krause Direktor der Stiftung Schloss Ettersburg ist, hat es sich zu einem kulturelle Zentrum entwickelt, in dem man neben Musik und Literatur auch interessante Debatten erleben kann. Hier herrscht noch der freie Geist, der im kaum noch existierenden gesellschaftlichen Diskurs so schmerzlich vermisst wird.

Für den traurigen Monat November ist eine philosophische Reihe geplant. Am Sonntag, dem 7. November, wurde sie mit einer Debatte über einen der einflussreichsten deutschen Philosophen, Georg Friedrich Wilhelm Hegel, eröffnet. Die Diskutanten waren Jürgen Kaube (Herausgeber der F.A.Z) und Klaus Vieweg (Universität Jena). Beide haben jüngst große Hegel-Biografien vorgelegt. Moderiert wurde das Gespräch von Jan Urbich (Universität Leipzig), der aber kaum zu Wort kam.

In seiner Einleitung wies Peter Krause darauf hin, es gäbe kaum einen geeigneteren Ort, über Hegel zu diskutieren. Denn Goethe, der das Schloss zu seinen Lieblingsorten zählte, war ein großer Förderer Hegels. Als Hegel nach langen, öden Hauslehrerjahren in Jena eintraf und hier seinen philosophischen Urknall erlebte, sprach er natürlich sehr bald bei Goethe vor. Der fand Gefallen an dem jungen Gelehrten, der in seiner natur-philosophischen Habilitationsschrift über die Planetenlaufbahnen die Überlegungen Johannes Keplers denen Isaak Newtons vorzog. Grund dafür war wohl, dass Goethe mit seiner Farbenlehre, der er selbst „Superiorität“ gegenüber seinen poetischen Leistungen einräumte, gegen die Newtonsche Orthodoxie ankämpfen musste. Seine Förderung ging so weit, er verschaffte Hegel nicht nur ein Gehalt , sondern ließ auch seine rhetorischen Fähigkeiten durch einen geeigneten Mentor verbessern.

Krause zitierte Eckermann, der ein Gespräch von Hegel und Goethe am 18. Oktober 1828 dokumentierte: Sodann wendete sich das Gespräch auf das Wesen der Dialektik. – Es ist im Grunde nichts weiter, sagte Hegel, als der geregelte, methodisch ausgebildete Widerspruchsgeist, der jedem Menschen inwohnt, und welche Gabe sich groß erweiset in Unterscheidung des Wahren vom Falschen. Wenn nur, fiel Goethe ein, solche geistigen Künste und Gewandtheiten nicht häufig gemissbraucht und dazu verwendet würden, um das Falsche wahr und das Wahre falsch zu machen! Dergleichen geschieht wohl, erwiderte Hegel, aber nur von Leuten, die geistig krank sind.

Was sich dann im historischen Gewehrsaal entfaltete, war die Auseinandersetzung zwischen einem Wissenschaftler und profunden Kenner Hegels und einem Feuilletonisten, der auch viel über den Philosophen gelesen hatte. Auf die Eingangsfrage, was für sie beim Schreiben der Hegel-Biografie neu war, antwortete Vieweg, er habe sich vorher vor allem mit Hegels Denken beschäftigt und durch biografische Aspekte eine erweiterte Sicht auf ihn gewonnen.

Kaube erklärte weitschweifig, Hegels Lebensweg sei ziemlich eintönig gewesen. Seinen Briefen an seine Frau aus dem Ausland sei nicht viel zu entnehmen.

Das konnte Vieweg nicht so stehen lassen. Er wies darauf hin, Hegel habe am Tübinger Stift am „politischen Club“ nach französischem Vorbild teilgenommen. Eine Aktivität, die durchaus nicht ungefährlich war. Später, als Hauslehrer in Frankfurt, wohin er gegangen war, um Hölderlin, seinem Freund seit Stiftszeiten, nahe zu sein, spielte Hegel für einen pro-jakobinischen Verschwörer den Briefkurier. Eine Tat, die als Hochverrat bewertet worden wäre, hätte man sie entdeckt. Das klingt nicht nach einem drögen Leben. Was Hegels Briefe betrifft, so geben sie viel Aufschluss über Hegels Kunstverständnis. Er beschreibt ausführlich die Galerien, Museen und Ausstellungen, die er besuchte.

An Hegels Kunstverständnis scheiden sich die beiden Diskutanten fundamental: Während Kaube moniert, Hegel bevorzuge eher Rossini und Hermes „Sophiens Reise nach Memel und Sachsen“, weist Vieweg darauf hin, es handle sich bei Letzterem um einen Bildungsroman im Sinne von Laurenz Sternes „Tristram Shandy“. Das lässt den Verdacht aufkommen, Kaube kennt eher als das Buch die spitze Bemerkung des Hegel-Hassers Schopenhauer, der gespottet hat, sein Leibbuch sei Homer, während Hegels „Sophiens Reise“ sei.

Auch bei der Staatsauffassung gehen die Meinungen von Kaube und Vieweg weit auseinander. Während Kaube ganz zeitgeistgemäß auf die Institutionen abhebt, denen sich die Bürger unterzuordnen hätten – „für Hegel wäre Maskentragen Freiheit“, führt Vieweg aus, bei Hegel hat der Bürger Priorität und die Institutionen kommen erst an zweiter Stelle. Der Staat hätte die Aufgabe, die Freiheit der Bürger zu garantieren. Hegel stellt deutlich heraus, es komme vor allem auf den freien Willen an. Allen Deformationen der politischen Wirklichkeit liegt ein verkrüppelter Freiheitsbegriff zugrunde. Wer Freiheit nur als Freiheit von Beschränkungen und Bestimmungen denkt, denkt Freiheit als das große Nichts. Dann wird Freiheit zerstörerisch, wie es die Französische Revolution vorgeführt hat. Was ist aber freier Wille? Einer, der „gleichgültig gegen die Bestimmtheit“ bleibt, also immer auch anders kann. Die Dialektik von Allgemeinheit und Besonderheit, die Hegel in Bezug auf den freien Willen entwickelt, ist schwer zu fassen, wie er selbst sagt. Ich habe Viewegs Buch noch nicht lesen können, bin nach seinen Ausführungen aber sicher, dort eine gut verständliche Interpretation nachzulesen.

An dieser Stelle sind die für den Dialog angesetzten neunzig Minuten längst überzogen, aber die Zuhörer sind gebannt, wie in der ersten Minute. Peter Krause wünscht sich,  Vieweg solle noch etwas zu den jüngsten Vorwürfen sagen, die Hegel der Verherrlichung des Kolonialismus und des Antisemitismus bezichtigen.

Das wäre ein eigener Vortrag, sagt Vieweg. Aber so viel: Die Vorwürfe beziehen sich auf Mitschriften seiner Vorlesungen, die nach seinem Tod veröffentlicht wurden, von ihm also nicht autorisiert worden sind. In seinen Originaltexten findet sich davon nichts. Im Gegenteil, dort attackiert er genau die Personen, die von den Zeitgeistsurfern als Kronzeugen für seinen angeblichen Antisemitismus und Kolonialismus ins Feld geführt werden. Leider ist es inzwischen üblich geworden, freihändig zu verurteilen, ohne Kenntnis dessen, was wirklich gesagt wurde. Vieweg hatte in einer früheren Gesprächsphase Hegel gegen den Vorwurf, preußischer Staatsphilosoph und Vordenker des Totalitarismus gewesen zu sein, verteidigt.

Diese Vorwürfe gehen vor allem auf Karl Popper zurück, der sich gerühmt haben soll, nie eine Zeile Hegel gelesen zu haben. Wenn das wahr ist, hat es leider Schule gemacht, aber solange es Menschen wie Vieweg gibt, ist die Auseinandersetzung noch nicht verloren.

Klaus Vieweg: Hegel – Der Philosoph der Freiheit
Jürgen Kaube: Hegels Welt

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Die Lügen der Medien Folge 2

Daten aus den USA

Ähnliche ernüchternde Ergebnisse traten auch beim Vergleich von 2.947 „Counties“, d. h. US-Landkreisen mit eigener Verwaltung, zu Tage. Manche Regierungsbezirke mit hoher Impfquote, z.B. McKinley (New Mexico) oder Chattahoochee (Georgia) – die Quoten liegen dort bei ca. 90 % – gelten dennoch als „Hoch-Ansteckungsgebiete“. Einige Regionen mit weniger als 20 % Geimpften werden hingegen als „Niedrig-Virenübertragungsgebiete“ gelistet, was jede nachweisbare positive Wirkung von Massenimpfungen auf das „COVID-19“-Geschehen ausschließt. So zeigen z. B. die Daten für US-Regionen mit bis zu 5 % Impfquote dieselbe „Corona-Fallzahl“ pro eine Million Bürger wie andere Gebiete, wo über 70 % aller Personen geimpft sind.

Die Harvard-Forscher ziehen Schlussfolgerungen, die sich prominente deutsche „Impf-Befürworter“ hinter die Ohren schreiben sollten: Die Massenimpfungen sind nachweislich wirkungslos bzw. tendenziell das Corona-Infektionsgeschehen fördernd. Es sei aber ausdrücklich hervorgehoben, dass schwere COVID-19-Krankheitsverläufe bei voll Geimpften vermutlich milder verlaufen.

Daher warnen die US-Wissenschaftler vor einer Stigmatisierung kritischer Bürger, die sich aus verschiedenen Gründen nicht gegen die neuartigen „Wuhan-Viren“ mit all ihren evolvierten Varianten impfen lassen wollen. Jede erwachsene, mündige Person hat selbstverständlich das Recht, sich für oder gegen eine Impfung zu entscheiden. Diese liberale Position (welche auch von mir vertreten wird) haben die Autoren der Harvard-Studie klar und deutlich zum Ausdruck gebracht.

Unsere eingangs zitierte ARD-Kommentatorin hat sich somit eindeutig auf „Fake News“ berufen; die soliden Analysen unabhängiger Harvard-Wissenschaftler sind ihr entweder unbekannt oder sie passen nicht in ihr „Corona-Weltbild“. Es ist offensichtlich, dass die ARD-Dame mit ihren groben Anschuldigungen eine Hass- bzw. Hetzrede gegenüber einem großen Teil des Volkes gehalten hat – den sogenannten „Impf-Verweigerern“. Wird sie mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen?

Die deutschen Staatsanwaltschaften sind politisch weisungsgebunden; daher werden regelmäßig auch wohlbegründete Anzeigen nicht weiter verfolgt, falls damit das derzeitige politisch korrekte „Narrativ“ infrage gestellt würde. Anzeigen werden somit in diesem Fall höchstwahrscheinlich folgenlos bleiben, d. h. im Papierkorb der Strafverfolgungsbehörden landen.

Fazit: Das quasi-religiöse Dogma „Impfen schützt vor der Ausbreitung von Corona“ wiegt hierzulande höher als wissenschaftlich fundierte Studien ausgewiesener Harvard-Wissenschaftler – und das gilt auch für andere politisch umkämpfte Sachthemen, wie zum Beispiel die Gender-Debatte oder die Ehe-für-alle-Frage (siehe „Strafsache Sexualbiologie“).

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Die Lügen der Medien

Von Prof. Dr. Ulrich Kutschera

Am Freitag, den 19. November 2021 wurde in der ARD/Tagesthemen von einer Kommentatorin eine beleidigende Anschuldigung gegenüber jenen Menschen ausgesprochen, die sich nicht gegen die neuartigen, aus Wuhan-China stammenden SARS-CoV-2-Viren impfen lassen wollen.

Unter dem schnippischen Motto „Na, herzlichen Dank an alle Ungeimpften!“ sprach die erboste ARD-Dame unter anderem die folgenden Sätze aus: „Alle Impf-Verweigerer müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, an der derzeitigen Situation schuld zu sein […] Sie müssen sich fragen, welche Mitverantwortung sie haben an den wohl tausenden Opfern dieser Corona-Welle“.

Dieser Kollektivbeleidigung von Millionen Bundesbürgern möchte ich die folgenden Fakten entgegenhalten, welche bereits vor der „Ungeimpften-Schelte“ vom 19.11. in der wissenschaftlichen Literatur verfügbar waren.

Am 30. September 2021 ist die Online-first-Fassung einer Harvard-Studie erschienen, die dem ARD-Kommentar jede Glaubwürdigkeit nimmt. Unter dem Titel „Increases in COVID-19 are unrelated to levels of vaccination across 68 countries and 2947 counties in the United States“ (Zunahmen der COVID19-Fälle erfolgen unabhängig von der Impfquote in 68 Ländern und 2947 Bezirken in den USA) stellen zwei Top-Wissenschaftler ihre Ergebnisse vor (siehe S.V. Subramanian & A. Kumar, Eur. J. Epidemiol. 2021, in press; das Manuskript wurde nach ordentlichem peer-review als kurze Originalarbeit zum Druck akzeptiert). Der Erstautor, Dr. S. (Subu) V. Subramanian ist „Professor of Population Health and Geography” (Bevölkerungsgesundheit und Geographie) an der renommierten Harvard University (Cambridge, Massachusetts, USA). Er zählt weltweit zu den Top-Wissenschaftlern seiner Fachdisziplin.

In der Einleitung zitieren die Autoren Subramanian & Kumar das politisch motivierte Narrativ, durch hohe Impfquoten könne man die Ausbreitung der Corona-Viren eindämmen – mit Verweis auf Deutschland und Anführung eines entsprechenden Beitrags im »EU-Observer«. Da in Israel trotz hoher Impfquote ein massiver Anstieg in der Zahl sogenannter „COVID-19-Fälle“ dokumentiert ist, analysierten die Harvard-Forscher die Situation in 68 Ländern, für welche solide Daten vorliegen.

Sie verglichen für den 7-Tages-Zeitraum vor dem 3. September 2021 die gemeldeten „COVID-19-Fälle“ pro eine Million Einwohner mit der jeweiligen Impfquote, wobei nur vollständig vaccinierte Personen berücksichtigt wurden. Die Ergebnisse sind exakt umgekehrt, wie es nach dem ARD-Narrativ zu erwarten gewesen wäre: Es ergab sich eine geringe, aber klar feststellbare positive Assoziation zwischen der Zahl neuer „COVID-19“-Fälle pro eine Million Bürger und der Impfquote.

Kurz gesagt – je höher die Impfrate in Prozent, desto mehr „COVID-19-Fälle“ wurden gemeldet. So hat z.B. Israel mit einer Impfquote von über 60 % die höchste „Corona-Rate“ aller untersuchten Länder. Ein zweites Beispiel: Island und Portugal, mit Impfquoten von über 75 %, haben höhere Fallzahlen als z. B. Vietnam oder Südafrika, mit nur etwa 10 % Geimpften.

Fortsetzung folgt morgen.

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Zerrspiegel

Zeichnung: Rolf Hannes

Wir alle kennen seit unsren Kindertagen auf Jahrmärkten und Kirmessen Spiegel, die uns verzerrten, in die Länge, in die Breite, in die Diagonale, oder nur unsre obere oder untere Hälfte ins Aberwitzigste veränderten. Zusätzlich irrten wir zwischen Spiegelwänden in einem Labyrinth hin und her.

Es gibt eine Radierung von Willy Gröger, die eine Gruppe Besucher in einem Zerrspiegel zeigen während ihres Besuchs in einem Künstler-Atelier in Cussy, einem Ort in Burgund. Ein Ort, der sich wunderbar für ein Wortspiel im Deutschen eignet, nämlich Küß sie! Allerdings ein Wortspiel mit hintersinniger Bedeutung. Wir wollen uns nicht dazu versteigen, sie so zu verstehn, wie wenn wir sie befolgen sollten, um eine schöne Künstlerin zu küssen. Vielmehr verstehn wir dieses Küß sie! auf die Kunst allgemein bezogen.

Lösen wir uns von dem Ort Cussy, um an den Ort der Kunst zu gehn, dann verstehn wir das Wortspiel: Hier will die Kunst geküßt werden. Wie in jeder Künstlerwerkstatt, wenn der Künstler darin etwas taugt. Das setzen wir voraus. Wir erheben Grögers Radierung einfach zur allgemeingültigen Einrichtung für Besucher eines Künstler-Ateliers. Kauft, sagt der Spiegel, oder ihr könntet erschrecken beim Anblick eures Inneren.

Schon vor vielen Jahren träumte ich von einem Spiegel, der einen hinter die äußere Hülle sehen läßt. In ihrer Darstellung geht die Radierung, bewußt oder unbewußt, genau diesen Schritt über den Zerrspiegel hinaus. Denn Willy Gröger hat in ihr ganz im Sinne meiner Vorstellung (meines Traums) mehr die inwendige Verzerrung als die äußere getroffen. Um es präziser auszudrücken: Er hat der physikalischen Optik die psychische zugesellt.

Wie es aber den Donald Ducks, den Gartenzwergen, den Mickymäusen, den Schleichkatzen und allen Bambys dieser Welt ergeht, weiß ich nicht.

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Die Schleichkatze Folge 3

Bekommt Drosten wacklige Knie?

Dann pure Verzweiflung: Wenn nämlich der Herr Doktor nicht mehr weiterweiß, erhöht er die Dosis: „Ich bin überzeugt davon, dass wir nur einen geringen Nutzen von vollständig geimpften Erwachsenen haben, die sich nicht boostern lassen.“ Mit dem Weggang seiner persönlichen Schutzgöttin Angela und dem Fortgang der Pandemie werden bei Christian Drosten die Knie wackelig. Und dann knickt er schon ganz weg aus seiner Verantwortung: „Ich fordere hier wohlgemerkt gar nichts, und ich will auch nicht suggerieren, dass Boostern allein das Problem lösen könnte. Die Zeit ist dafür wahrscheinlich ohnehin zu knapp.“

Weil Di Lorenzo im „Zeit“-Interview aber einfach weiter fragt, beginnt bei Drosten der Kreisverkehr, er kommt einfach dort wieder an, wo er vorher noch abgebogen, weil anderer Auffassung: „Mangels Alternativen wird man wegen der Ungeimpften wieder in kontakteinschränkende Maßnahmen gehen müssen.“ Also doch eine Pandemie der Ungeimpften, so, wie es die Sprecher der Regierung auf der Bundespressekonferenz immer wieder behaupten und schon einen Scheiterhaufen im Hof des Hauses errichten wollten für jenen Journalisten, der beim Begriff „Pandemie der Ungeimpften“ nur die Augenbraue hochzog? Drosten hält es für sicher, „dass man kontakteinschränkende Maßnahmen braucht.“ Und dann Sätze, wie aus der x-ten Wiederholung der Rappelkiste: „Ein negativer Test bei einem Ungeimpften schützt diesen nicht vor Ansteckung.“ Ach was.

„Wir können es auf keinen Fall wegimpfen“, so Drosten im Interview mit der „Zeit“ über COVID-19 und seine Variante(n). Der Begriff der „Nachdurchseuchungsphase“ wird von Drosten aus dem Hut gezaubert. „Bei uns würde eine unkontrollierte Nachdurchseuchung mindestens noch einmal 100.000 Tote bedeuten, wenn wir nicht die Impflücken vorher schließen.“ „Zeit“: „Sie glauben, dass sich irgendwann jeder ansteckt?“ Drosten: „Ich halte das für unausweichlich.“ Und weiter: Drosten: „Das heißt, auf dem Fundament einer Impfimmunität, die uns vor der Intensivstation schützt, kriegen wir irgendwann unsere erste Halsentzündung mit dem neuen Coronavirus.“

Der lange Weg der Schleichkatze ins Kanzleramt und zurück

Die „Zeit“ will abschließend von Christian Drosten noch wissen, wie es mit neuen Pandemien aussieht. Der malt schon neue, ganz frische Aufgabenfelder an den Horizont: „In China stehen Schleichkatzen und Marderhunde mit Sars in Verbindung, Letzteres ein Nutztier in der Pelzindustrie. Im arabischen Mittleren Osten geht es ums Kamel. Allein in der Hadsch-Saison werden jedes Jahr 40.000 Kamele geschlachtet.“ Bernhard Grzimek, der Fernseh-Tiermoderator der 1960er und 1970er Jahre wäre hier ganz sicher vor Freude aus dem Sessel seiner biederen Studio-Deko gehüpft, angesichts der possierlichen Tierchen-Aufzählung von Merkels Staatsvirologen.

Und deshalb wollen wir hier auch ganz versöhnlich mit einem wundervollen Satz  des großartigen Bernhard Grzimek enden. Ein Satz, der Grzimek mit Christian Drosten auf so wundersame Weise über die Jahrzehnte hinweg zusammenführt: Liebe Zuschauer zu Hause an den Geräten, heute habe ich Ihnen einen kleinen Afrikaner mitgebracht. Er heißt Christian und ist eine Schleichkatze.

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