Wirtshausleben in Frankreich

James Boswell läßt in seinem Buch über Dr. Samuel Johnson, diesen folgendes sagen: Die große Welt führt in Frankreich ein herrliches Leben, die übrigen ein um so elenderes. Einen glücklichen Mittelstand wie in England gibt es dort nicht. Die Läden in Paris sind schäbig, das Fleisch kommt in einem Zustand auf den Markt, wie es bei uns höchstens noch als Gefängniskost tauglich befunden würde. Die Kochkunst der Franzosen entspringt deshalb, wie Thrale feststellte, einer Notwendigkeit; sie könnten ihr Fleisch gar nicht verzehren, wenn sie es vorher nicht auf ihre besondere Art würzten. Überhaupt haben die Franzosen gar keine Lebensart, sie spucken aus, wo es ihnen gerade beliebt. Bei Madame (du Boccage), einer literarisch gebildeten Frau von Stand, faßte der Bediente den Zucker mit den Fingern und warf ihn mir in die Tasse. Ich wollte den Kaffee stehen lassen. Nur weil man mir sagte, er sei eigens für mich zubereitet worden, nahm ich den Beigeschmack von den Fingern des Lackels inkauf. Dieselbe Frau wollte unbedingt Tee nach englischer Art bereiten; da der Ausguß des Teekrugs verstopft war, bat sie den Diener, hineinzupusten. Vom Klima abgesehn, ist Frankreich in jeder Hinsicht noch schlimmer als Schottland. Die Natur hat für die Franzosen mehr getan, aber für sich selber haben sie weniger getan als die Schotten.

Wirtshausleben

© Rolf Hannes

Das Mittagessen nahmen wir in einem ausgezeichneten Gasthof in Chappelhouse ein, wo Johnson sich darüber ausließ, wie gut England mit seinen Schenken und Gasthöfen dran sei, während beispielsweise Frankreich ein eigentliches Wirtshausleben nicht kenne.

Das war Ende des 18. Jahrhunderts, aber was das eigentliche Wirtshausleben angeht, ist es bis zum heutigen Tag so geblieben.

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