Sufi-Geschichte 29

Der Fisch im See ist nicht durstig


© R. H.

Kabir sagt:

Ich lache, wenn ich höre, daß der Fisch im Wasser durstig ist.

Was alles lebt innen in deinem eignen Haus? Du packst es nicht. Und so wanderst du mit verstörtem Blick von einer heiligen Stadt zur nächsten.

Ich weiß nicht über welche Sorte Gott wir uns unterhalten haben. Kabir wird dir die Wahrheit sagen: Geh wohin immer du magst, nach Kalkutta oder Tibet. Falls du nicht entdeckst, wo deine Seele steckt, wird dir die Welt niemals wirklich.

Der Vorbeter spricht mit lauter Stimme zum Heiligen Einzigen bei Anbruch der Dunkelheit. Warum? Gewiß ist der Heilige Einzige nicht taub. Er hört die feinen Fußringe, die ein Insekt um seine Füße trägt beim Laufen.

Laß deine Gebetsperlen durch deine Finger gleiten, male dir Schicksalszeichen auf die Stirn, trage dein Haar bescheiden, lang oder prunkvoll, aber wenn tief in dir eine Waffe steckt, wie kannst du dann Gott haben?


Kabir (1440 Varanasi – 1518 Maghar), indischer Mystiker, der sich nie in eine religiöse Gruppe eingeordnet hat. Er war muslimischer Herkunft, seine Unterweisungen enthalten viel Sufisches, darum reiht futura99phoenix ihn ein in die Sufi-Geschichten. Geschichten heißen sie nur der Einfachheit halber. Es sind keine Geschichten im herkömmlichen Sinn (das gilt auch für viele der vorausgegangenen), vielmehr sind es Aussprüche, die über Jahre von Schülern gesammelt und aufgezeichnet wurden.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Innenleben abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.