Sufi-Geschichte 26

Der unaufmerksame Schäfer


© R. H.

Hakim Sanai sagt:

Von IHM kommt Vergebung so schnell, sie erreicht uns noch bevor Reue unsre Lippen kräuselt. Er ist dein Hirt, und du bevorzugst den Wolf. Er lädt dich ein, und doch sträubst du dich. Er gibt dir seinen Schutz, und du schläfst. Oh, was glaubst du, du hirnloser Narr.

Er heilt unsre Natur von innen, freundlicher zu uns als wir selbst. Einer Mutter Liebe zu ihrem Kind ist nicht halb so groß, wie er sie uns schenkt. Du hast deine Treue gebrochen, doch er hält in Treue zu dir, er ist aufrichtiger zu dir als du selbst.

Er erhält deine geistige Kraft, denn sein Wissen ist unberührt vom Gang der Gedanken. Er weiß, was in deinem Herzen ist, denn Er machte dein Herz aus seinem Lehm. Aber wenn du glaubst, ER glaubt genauso wie du, dann steckst du in deinem Schlamm wie ein Esel.

In seiner Gegenwart ist Stille das Geschenk der Zunge. Er spürt die Berührung des Fußes einer Ameise, die im Dunkeln über einen Felsen läuft. Er weiß, was in eines Menschen Hirn vorgeht. Du würdest gut daran tun, dies zu beherzigen.


Hakim Sanai, berühmter persischer Mystiker, lebte in Ghazni (heute Afghanistan) von etwa 1080 bis 1141.

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