Morgenlandreise 6

Was mich am meisten und im guten beeindruckt, sind die einfachen Verrichtungen des Lebens. Etwa eine Beobachtung in Ostanatolien. Dort sah ich einige Frauen und Mädchen Getreidekörner von der Spreu trennen. Aus großer Entfernung, aber soviel sah ich: Die Kurdinnen hockten und standen um eine Plane herum, auf der sie das Getreide liegen hatten. Sie schoben große flache geflochtene Teller darunter und ließen es, indem sie sie hochhoben, langsam wieder auf die Plane rinnen. Der Wind blies die Spreu zurseite, die schweren Körner blieben auf der Plane. Das wiederholten sie Mal um Mal, so daß immer weniger Spreu zurückblieb. Vor tausenden von Jahren kann es nicht anders gewesen sein.


Kurdinnen trennen die Spreu vom Korn.

Meine Fahrer hatten mich gewarnt, ja nicht vom Auto wegzugehn. Es sei sehr gefährlich, mit Kurden Kontakt aufzunehmen. Es heißt, sie räubern ganze Busse mit Reisenden aus. Der Eufrat ist die Grenze zum Land der Kurden. Ab da flohen meine türkischen Fahrer wie gehetztes Wild über die Autostraße. Nur an von Polizei und Militär gesicherten Tankstellen wagten sie sich aus den Autos. Wenn jemand unterwegs pinkeln mußte, machte er das aus dem Fahrerhaus heraus.

Menderes hat versucht, Kurden in Häusern seßhaft zu machen. Sie haben diese für sie eigens gebauten Häuser gemieden und sind in ihre eignen, schnell improvisierten zurückgezogen. An einigen von Soldaten zerstörten Siedlungen sind wir vorbeigekommen. Die Kurden erwehren sich der zivilisatorischen Einvernahme und sie haben meine Sympathie.


[Das hab ich 1977 geschrieben. Ich hatte keine Ahnung vom politischen und militärischen Kampf in Kurdistan. Wahrscheinlich sind meine türkischen Fahrer reiner Propagande aufgesessen und haben sie an mich weitergegeben. Jedenfalls ging mir auf, daß die meisten Kurden in Häusern wohnten und keine für sie gebauten Dörfer brauchten. Ihre Häuser waren vom türkischen Militär zerstört worden, aus sinnloser Rache, weil die Kurden frei sein wollten, so frei, ihre Sprache sprechen zu dürfen].

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