Morgenlandreise 56

Die Holländer warteten auf einen billigen Flug nach Delhi, ich wartete auf ein Schiff nach Bombay. Also beschlossen wir, einen gemeinsamen Zweitagesausflug Richtung Südosten zu unternehmen, dorthin, wo der Indus ins Meer mündet. Bis ganz hin kamen wir nicht. Wir verfransten uns zu sehr in den Busverbindungen, dadurch wurde es umso vergnüglicher. Nichts ist förderlicher, um Land und Leute zu erkunden, jeden festen Plan sausen zu lassen. Auf Schritt und Tritt hatten wir Geselligkeit um uns herum, Angebote die Fülle.

Wollten wir einen Teppich kaufen? Nein? – Kamele reiten? Nein? – Etwas essen? – Ja, wir wollen gern etwas Leckeres, sagte Lalakarim in seinem besten Holländisch. Und im Handumdrehn kam ein Fliegender Händler herbei und zauberte uns ein Mahl auf den blanken Boden. Es war einfach und köstlich. Den Schlangenbeschwörer hatten wir schon davor ins Schlepp genommen. Nachdem wir ihm einen Batzen Geld zugesteckt hatten, überlegte er kurz, ob es heute noch etwas Wichtiges zu tun gäbe, er kam zu dem Entschluß, uns eine Strecke zu begleiten. So saß er in unsrer Runde und spielte uns zünftig auf. Die Kobras sind ungefährlich, das hatten wir erfahren, ihnen sind die Giftzähne gezogen.


Unter den neugierigen Blicken der Einheimischen benehmen sich 5 Ausländer wie normale Menschen. Sie essen alles geschickt mit der bloßen Rechten und sitzen auf nackter Erde.

In der Nähe unsrer Mittagsrast hütete ein Hirte seine Ziegen. Voller Ehrerbietung und Zurückhaltung schaute er zu uns herüber. Was ist die snobistische Vornehmheit europäischer Reichen gegen diese vollendete Haltung eines einfachen edlen Hirten?

Es gab einen riesigen Linsen-Eintopf und Pfannekuchen (Lecker Pannekauken, sagte Lalakarim-Evert). Auf dem Foto sieht man, wie der Schlangenbeschwörer zu unseren Tellern schielt, die interessierten ihn viel mehr als seine Kobra. Es blieb genug für ihn übrig. Wahrscheinlich hat er, nachdem wir uns artig mit einer Verbeugung verabschiedet hatten, noch einige der Umstehenden zu sich eingeladen. Und ich wünschte mir, auch den Ziegenhirten.

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