Morgenlandreise 44

Als, von Iran kommend, ich mich mit einigen anderen Europäern an der Grenz- und Bahnstation nach Belutschistan zusammenfand um die Fahrkarten zu lösen, hielten wir uns beiseit, schon weil wir wissen wollten, wie der Kartenverkauf vor sich geht. Wir standen als Gruppe beisammen und ließen den Pulk Einheimischer zuerst zum Schalter, der sich in einem Holzhäuschen befand. Der ganze Bahnhof bestand nur aus einer kleinen Baracke auf offenem Feld. Sobald der erste von uns vor dem Schalter erschien, machte der Mann hinter der Luke die Klappe dicht. Unter uns entstand einige Verwirrung, und als wir merkten, was man mit uns vorhatte, auch einige Auflehnung. Es half wenig, wir kauften unsre Fahrkarten bei einer höheren Charge auf freiem Gelände, sozusagen ambulant und, soviel hatten wir mitgekriegt, viel teurer. Die schlitzohrigen Angestellten der Bahn hatten die Gelegenheit erkannt, um auf ihre Weise das Wohlstandsgefälle von West nach Ost etwas auszugleichen. Für unsre Verhältnisse waren die Karten trotzdem sehr billig.


Relief in einer Hauswand

Diese Einsicht bringt einen später dazu, die Preise nicht jederzeit zu hinterfragen. Allein die Taxifahrer brachten mich bis zuletzt aus der Fassung. Obwohl ich weiß, Taxifahrer nehmen es überall nicht sehr genau, rund um die Welt, in Europa so gut wie in Asien und Amerika. Sie legen sich alle denkbaren Tricks zu und sind Menschenkenner par exellence. Sofort sehen sie den unbewanderten Neuling, den sie statt auf  kürzestem Weg kreuzdiequer durch die Gegend fahren, möglichst über eine Strecke, wo der Verkehr behindert wird von einer Baustelle, woran sie dann wartend Minuten schinden, oder zurück müssen, zu ihrer heimlichen Genugtuung.

Meine Erfahrung ist die: Wenn ich als Käufer kam, als Fremder, als Tourist, auf einem Markt, in einem Basar, machten sich die Händler einen Spaß daraus, mich ein Vielfaches bezahlen zu lassen, selbst wenn ich feilschte oder den Handel platzen lassen wollte. Niemals waren sie bereit, von mir auch nur annähernd so viel (oder wenig) zu verlangen wie von Einheimischen. Kam ich aber als Freund oder Hilfsbedürftiger, stand mir die Welt offen, dann war man bereit, mir manches zu schenken, eine Übernachtung, ein Päckchen Tee, ein üppiges Mahl in der Familie.

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