Morgenlandreise 41

Kerman

Meine Reise ist die Erfüllung eines Kindertraums. Als ich zwölf war und früher und später, wollt ich in die Welt hinausziehn, ohne festes Ziel. Mir Menschen und Städte, Dörfer und Landschaften ansehn. 30 Jahre hab ich gewartet. Das Kind in mir hüpft vor Freude. Heute, wie ich durch Kerman schlenderte, war ich 12 oder 11 oder 13 Jahre alt. Ohne die Einwände eines Freunds, einer Freundin, unbeschwert losmarschieren, dich hinlagern, weiterbummeln, gleich, in welcher Richtung.


Manche Dächer in Kerman sind weibliche Brüste.


Karawanserei

Die erste Nacht nach Ankunft in Kerman verbrachte ich mit den meisten Businsassen wiedermal in einer Karawanserei. Es gibt dort keine Betten im üblichen Sinn, nur Kojen oder Stellplätze, worin man sich für die Nacht einrichtet. Man zieht sich nicht aus, wäscht sich nicht, hat während der Fahrt Früchte und sonstwas geknabbert. Bei jeder längeren Busfahrt benetzen die Reisenden ihr Gesicht mit Rosenwasser, das ein flinker Junge herumreicht. Das erfrischt köstlich und verbreitet einen wahrhaft morgenländischen Duft.

Man frißt einfach nicht soviel wie in unsren Breiten. Und hat auch nicht diese Waschwut. Eine solche Nacht ist dem abenteuernden Reisenden und auch den Einheimischen oft lieber als ein schlechtes Hotel in letzter Minute. Man ist glücklich, die Fahrt überstanden zu haben, schwatzt und raucht ein Pfeifchen bevor man sich aufs Ohr legt, so gut es geht neben oder auf sein Gepäck.

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