Morgenlandreise 40

Noch im Bett morgens:

Aus einem Traum vorvergangner Nacht. Ich bin Zögling in einem Internat. Es gibt Zeugnisse. In einem bestimmten Fach hab ich eine Fünf, wahrscheinlich in Latein. Als ich aufstehe, nach vorn gehe, mir das Zeugnis abzuholen, ein Raum, halb Kirche, halb Klassenzimmer, rufen die andern im Chor: Asinus, asinus. Das ist so üblich dort.

Aus einem andern Traum letzter Nacht. Ich bin unterwegs in meinem VW mit einem Freund. Eine Szene: Mein Freund (er gleicht niemandem, den ich kenne, ich besitze auch keinen VW) erzählt mir von 2 Männern, die einen Bankeinbruch verübten. Im Traum bin ich gewiß, ein gelungner Bankeinbruch ist so etwas wie ein gelungnes Theaterstück. Er erzählt weiter: Sie haben das ohne Maskierung gemacht. Weißt du, sie haben sich lange mit Masken beschäftigt, sie haben welche gebaut. Sie hatten sie integriert. Sie hatten sozusagen alle diese Masken im Gesicht. Ich bin sehr interessiert, denke: Mein Freund weiß nicht, daß ich auch Masken baue. Ob ichs ihm sage? Es könnte nach Angeberei klingen, ich behalte es besser für mich.

Eine 2. Szene aus diesem Traum: Mein Freund ist auf einen Sprung in ein Café gegangen. Ich warte, dann gehe ich ihm nach. Als wir gemeinsam wieder vor die Tür treten, ist der VW weg. Ich hatte ihn unabgeschlossen gelassen, die Polizei hat ihn mitgenommen. Das erklärt ein Mann mittleren Alters, sympathisch, Bäuerlein-Typ. Ich frag ihn aus, was los war. Er sagt: Erst hab ich ihn mir genommen, weil ich ja zu meinem Vater mußte. Klar, denk ich mir, wenn er zu seinem Vater mußte, warum sollte er sich nicht weggangs den VW nehmen. Dann weiter, dräng ich ihn. Er spricht weiter: Ich hab ihn zurückgebracht und mir seine Schätze angesehn. Es sind ja so wunderbare Dinge darin. Er schaut mich von der Seite aus seinen wissenden, verschmitzten Äuglein an. Hier bricht der Traum ab.

Ibrahim, der junge Schiraser, der in der Schule Deutsch gelernt hat, sieht sich meine Kette an. Zwei Steinsorten kenne er, Arirh und Sadaf, es seien aber nur Halbedelsteine. Klar, erwidere ich, das weiß ich. Nur deshalb sind sie so schön. Die beiden neuen Wörter geselle ich zu meinen dreien: LAURA TAMERLAN SAMARKAND ARIRH SADAF

Morgen will ich weiter nach Kerman, Ibrahim warnt mich: Vor drei Tagen gab es dort ein Erdbeben. Macht nichts, sagt er, dort bebt die Erde immer.


Die Kette verschenkte ich, hatte aber vergessen, sie zu fotografieren. Das Schlimme ist, die Trägerin, richtiger: die Beschenkte wußte sie gar nicht zu schätzen. So gibt es nur die flüchtige Skizze in meinem Reisebuch. Und ein unvergängliches Plätzchen in meinen Gedanken, wo sie erstrahlt bis zum jüngsten Tag.

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