Morgenlandreise 31

Es gibt kein Schiff vom persischen Golf nach Indien für mich. Only cargo.

      Im Basar von Schiras

Der Basar von Schiras ist eine labyrinthische Wunderwelt, die Farben und Gerüche der Gewürze unvergleichlich. Kostbarste Gewürze in riesigen kupfergetriebenen Schüsseln, in Säcken, manche geöffnet, und über ihr Fassungsvermögen hinaus ist die Kostbarkeit angehäufelt, als wär es nichts weiter als Zucker oder Mehl oder sonstwas Alltägliches.

In Halbrelief sind auf den Wandfliesen im Hof der Vakil Moschee Instrumente dargestellt, darunter eine Laute. Nach Europa gelangte das Instrument im 12. Jahrhundert durch die Kreuzritter.


Die Laute auf dem Wandrelief der Vakil Moschee

Die Türken haben ein sehr schönes, lautenähnliches Instrument, sas genannt.

In der Buchhandlung mit Andersens Märchen im Schaufenster war ich heute schmökern. Eine sorgfältig gedruckte Ausgabe von Sa’adis Liebesgedichten, mit wunderschönen gewagten erotischen Illustrationen aus alter Zeit mit deutscher und englischer Übersetzung. Der Buchhändler, der gut englisch sprach, konnte sich nicht genug wundern, fast hätte er mir das Buch wegnehmen wollen. Er dachte ganz richtig, ich wolle mich nur satt schauen, statt zu kaufen. Es gab Bücher von Bertolt Brecht, Sartre, Bertrand Russel, Maxim Gorki, eine Biographie über Beethoven. Ein Stück von Brecht wird in der Stadt gegeben, ich konnte nicht erfahren, welches. Ein Plakat mit dem Konterfei Brechts hängt überall aus. In den Kinos laufen meist italienische Filme.

Einmal schleppten mich ein Brüderpaar (19 und 17jährig) mit ins Kino. Es lief Einer flog übers Kukucksnest im englischen Original.*


*Hab später den Film nochmals in Deutschland gesehn. Vermutlich hatten sie in Schiras die anstößigsten Stellen geschnitten. Aber, immerhin 1978! lief ein solcher Film im Iran. Meine nachmalige Überlegung: Der Schah war damals dabei, sich und den Amis zuliebe sein Land zu westifizieren. Für die Touristen war das paradiesisch, mich inbegriffen.** Aber die Bevölkerung lehnte sich dagegen mehr und mehr auf. Und ich meine, sie hatte recht. Denn soviel ging mir später auf, eine Großzahl der Bevölkerung wurde vom Schah ausgebeutet und unterdrückt.

** Das ist ja das Dilemma vieler Länder, die sich dem Tourismus darbieten. Fürs Geld prostituieren sie sich nach allen Regeln der Kunst. Und die Touris merken es nicht in ihrer Ignoranz und finden alles klasse.

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