Morgenlandreise 25

Nachhang zum Irak. Selbst die Gutwilligen, die mich nicht betrogen, gaben mir das Wechselgeld nicht zurück. Selbstverständlich setzen sie dieses Geschenk voraus, du wirst nicht gefragt. So läßt der Fremde überall das Doppelte und Dreifache.

Und doch, ich singe ein Großes Lied auf die vier jungen Männer, die mich so nah an die iranische Grenze brachten wie irgend möglich. Das ist meine Erfahrung: Das einfache Volk ist arm, oft bettelarm, und ein Reisender wie ich ist ihnen völlig unverständlich. Und ich selbst wurde mir, wenn ich versuchte, mich von außen zu betrachten, selbst unverständlich.

Die Möglichkeit zu haben, die Welt nach Lust und Laune zu durchstreifen, hat für armes Volk etwas Verstörendes, glaube ich. Zumal, wenn man so daher kommt wie ich, in einfachen Klamotten und Seesack, wie wenn ich zu ihnen gehörte. Die Vier im Wartehäuschen hatten den Durchblick, den ich in meiner Situation brauchte. Wir waren irgndwie Geistesverwandte. Nur diesem Umstand verdankte ich, aus diesem höllischen Irak heil herauszukommen. Es war der rare Augenblick glücklicher Begegnung.

Es gibt Sätze, die sind im Hirn wie Kaugummi im Mund. Zum Beispiel dieser: I want to go by ship to India, its possible? Nur, Kaugummi kannst du ausspucken, nicht so deinen Satz.

Jetzt weiß ichs. Sie alle, Türken, Iraker, Iraner nehmen kein Papier, sich den Hintern zu putzen, es sei du bist in einem mitteleuropäisch aufgemotzten Hotel mit Wasserspülung. In allen einfachen Klos stehen Blechbüchsen oder kleine Gießkannen, damit spülen sie sich den Hintern ab. Und das in der Hocke über einem winzigen Loch. Aber wie, frag ich mich. Eher könnt ichs mit einem Füllhalter, einem alten Schuh oder einer abgebrochnen Türklinke (siehe Rabelais!)


Ziegen- und Schafhirten

Ich glaube, mit den wirklichen Menschen kam ich bislang selten zusammen. Die haben sich zurückgezogen in ihre Weidegründe und Felder. Manchmal seh ich von weitem eine Hirtengruppe. Viel Vieh: Schafe, Pferde, Ziegen, ein paar Zelte. Ich wünsche mir, bei ihnen habe menschliche Würde eine Wohnstatt.

Im Irak ist die 5 ein Kreis, im Persischen wird sie durch ein auf den Kopf gestelltes Herz dargestellt. Die Null ist im Arabischen ein kantiger, auf die Spitze gestellter Punkt.

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