Morgenlandreise 20

Alleingelassen stand ich da und schaute in das Wartehäuschen. Dort saßen einige junge Männer und vertrieben sich die Zeit mit einem Brettspiel. SALAM sagte ich und setzte mich hinzu. Sie rückten sogar zurseite. Sie hatten bald heraus, daß ich Deutscher bin. Deutscher zu sein, ist in arabischen Ländern ein gewisser Vorteil. Sosehr wir im angelsächsischen Raum oft die Fieslinge spielen, im arabischen sind wir die Lieblinge der Welt.


Salam aleiküm!                                        Aleiküm salam!

Immer wieder mal ging ich zu dem Schild hin, um dahinterzukommen, ob ein Bus zum Shatt al Arab führe. So gut es gehen wollte, machte ich mich verständlich, ich wolle zum Shatt al Arab. Die Männer lachten. Sie konnten ein paar Brocken Englisch. Die reichten aus, um mir klarzumachen, es sei leichter auf den Mond zu kommen, als zum Shatt al Arab. Border to Iran, sagte ich. Wir freundeten uns an, sie versuchten, mir ihr Brettspiel zu erklären. Sie glaubten, ich sei ein verwegner Weltenbummler oder Archäologe oder so etwas Ähnliches. Mir gefiel die Vorstellung, ich könnte zwischen Euphrat und Tigris Ausgrabungen leiten. In diese Richtung gingen ihre Vermutungen, und ich bestärkte sie darin.

In meiner Ratlosigkeit und um ihnen nicht allzu lästig zu fallen, fiel mir nichts Besseres ein, als mich etwas in dem Viertel umzusehn. Ob es nicht doch eine Busverbindung zum Shatt al Arab gebe, wollte ich herausfinden. Sie boten sich an, auf mein Gepäck aufzupassen, sie würden noch Stunden in dem Häuschen verweilen, gaben sie mir zu verstehn.

Alles Geschäftliche im Orient ist für den Fremden mit dem Risiko verbunden, übers Ohr gehauen zu werden. Gewitzte setzen es voraus und handeln und feilschen hartnäckig. Bedenkenlos will ein Taxifahrer von einem ortsunkundigen Fremden das Vielfache, gleichfalls die Händler im Basar, auch die Übernachtungen kosteten astronomische Summen.

Aber von diesen jungen Männern im Wartehäuschen wußte ich mit Bestimmtheit, sie würden meinen Seesack nicht anrühren. Den Männern war das Häuschen ein gewisses Zuhause, und das teilten sie mit mir als ihrem Gast. Und der Gast (nicht der Fremde und Käufer) wird behandelt wie ein guter Freund.

Nach einer Weile Stadtbummel, in der ich hoffte, auf irgendein Zeichen zu stoßen, das mich aus meiner aussichtslosen Lage befreien könnte, setzte ich mich wieder zu ihnen. SALAM. Die Begrüßungsfloskel der Muslime rund um die Welt ist wohl: Salam aleiküm und die Antwort darauf Aleiküm salam. Darein hatte ich mich schon in der Türkei eingeübt.

Salam sagten sie zu mir wie zu ihresgleichen.

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