Morgenlandreise 14

Als wir in die Stadt hinein fuhren, erzählte er mir von den tausendfältigen Schachereien und Tricks und wie korrupt alle Behörden seien. Stellen Sie sich vor, ich mit einer ganz eindeutigen Aufgabe hier, muß nach 3 Monaten zurück nach Deutschland, um mein Visum neu zu beantragen. Warte dann Wochen darauf, weil man herausfinden will, ob ich nicht doch eine jüdische Großmutter hatte. Mir fiel ein, in meinem Gepäck befand sich ein israelischer Schlafsack, möglicherweise aus der Armee, die galten in Tramperkreisen als die besten. Sollte ich offen bekennen, ich hätte nicht den Schimmer eines irakischen Visums in meinem Paß? Hätte er mir Rat gewußt? Viel eher hätte er mich auf der Stelle aus seinem Auto bugsiert.

Er erzählte von einem Kollegen, dem aufgebrachte Iraker die Autoreifen zerstochen hatten, nur weil sie vermutlich aus Israel stammten. Erst kürzlich seien zwei deutsche Fahrer umgebracht worden, ein dritter kam mit einem Kopfschuß davon. Er ist halbwegs verblödet und stottert seitdem. Niemand fahndet nach den Mördern. Wie wenn er ahnte, was in mir umging, und um mich stumm zu halten, zählte der Kaufmann alle Schrecknisse und Gefahren auf. Er wechselte mir einiges Geld und setzte mich vor dem nächstbesten Hotel ab. Ich spürte wie erleichtert er war, mich loszusein. Das Hotel war eine Absteige namens Ashur Banipal. Genau das Richtige, dachte ich, denn ich sah nicht aus wie ein Reisender, in meinen Stiefeln, den Seesack geschultert, er stammte aus dem gleichen Laden wie der Schlafsack.

 

Merkwürdigerweise fand der Mann hinter der Rezeption an meinem Paß nichts auszusetzen. Er händigte mir einen großen Schlüssel aus und winkte einen vierschrötigen Mann herbei, der mich zum Zimmer führte. Dort angekommen, fingerte mein Begleiter nach dem Schlüssel. Es schien mir nicht sinnvoll, ihn die Tür aufschließen zu lassen, denn ich ahnte, er wollte vor mir im Zimmer sein. Es war ein wenig schwierig, ihn daran zu hindern, aber ihn die Tür aufschließen zu lassen, bedeutete, daß ich ihn so schnell nicht wieder losgeworden wäre, und unter dem mißbilligenden Blick dieses Hausdieners gelang es mir, die Tür zu öffnen. Er wollte sich geschickt an meiner Seite ins Zimmer schieben, aber ich kam ihm zuvor, drehte mich zu ihm, verstellte ihm den Weg und sah ihn unmißverständlich verärgert an. Sir, sagte ich, I need my rest. Bevor ich mich befreien konnte, packte er mich an beiden Armen und zischte: Whisky, Dollari? Whisky?

Gegen meine Gewohnheit schloß ich mich im Zimmer ein. Stehenden Fußes untersuchte ich meinen Schlafsack, fand ein eingenähtes Etikett, trennte es heraus und zerstückelte es sorgfältig, um es bei nächster Gelegenheit in einem Abfluß verschwinden zu lassen. Dann lag ich für Stunden wie gelähmt auf meinem Bettgestell, zwischen ihm und mir mein israelischer Schlafsack, nicht fähig, mir vorzustellen, wie es weitergehen könne. In der Nacht, als ich wach wurde, schlich ich zur Tür und fühlte und hörte durch sie hindurch, wie mich auf der anderen Seite der Hausdiener belauerte.

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