Morgenlandreise 13

Wir fuhren über Mosul, die ganze Nacht hindurch bis zum frühen Morgen. Denn, so sagte mein Fahrer, auch hier sind Kurden, genau so schlimm wie auf der andern Seite, nachts anzuhalten ist zu gefährlich. Nachmittags erreichten wir Bagdad.

Wikipedia: Karte des Irak

Endstation war ein großräumiges Gelände der irakischen Armee. Die LKWs, Sattelschlepper ohne den hinteren Aufbau, würden umgebaut, so hatte mir mein Fahrer erklärt, dort wo der Container fehle, käme ein Rammgerüst hin, um Pfähle und Rohre in die Erde zu rammen. Nun standen wir zu sechst zwischen den angelieferten Wagen und harrten der Dinge.

Der Chef der Truppe hatte in einem Büro erfahren, sein deutscher Kontaktmann sei aus der Stadt kommend unterwegs. Ich hatte mich ins Fahrerhaus verkrochen und döste vor mich hin, als ein Mercedes mit deutschem Nummernschild heranfuhr, dem ein etwa 30jähriger Mann entstieg, der offenbar für deutsche Firmen in Bagdad die behördlichen Dinge regelte. Fahrer und Kaufmann kannten einander. Großes Hallo. Dann verschwand er für einige Minuten in einer Wellblechbude und kam in Begleitung eines Soldaten zurück, der ein metallenes Köfferchen trug. Darin waren die Pässe der Fahrer, wir konnten sie darin liegen sehen, als der Soldat uns das geöffnete Köfferchen hinhielt, aber leider, leider müsse er mit der Rückgabe warten, bis sein Oberst zurück sei. Das alles sagte er in fast unverständlichem Englisch, aber die Fahrer kannten das Zeremoniell bereits: es hieß nichts andres, als daß der Bakschisch noch geregelt werden mußte.

Tut mir leid Jungs, sagte der Mercedesmann, ihr müßt noch eine Weile warten, dann werd ich euch auslösen, vorher fahre ich nochmals in die Stadt. Er setzte sich in seinen Wagen und schien unschlüssig, was er nun machen sollte. Der Soldat hielt das Köfferchen unter seinen Arm geklemmt. Da ritt mich der Teufel, wie er mich öfters reitet, wenn mir was gegen den Strich geht. Ein paar Schritte machte ich auf den Soldaten zu und sagte barsch und sehr laut: Give the passports back right now, Sir. Und machte eine Bewegung, wie wenn ich als nächstes das Köfferchen an mich reißen wollte. Der Soldat zuckte zusammen, klemmte das Köfferchen aber fest unter seinen Arm. No, I must wait, stammelte er und lief zurück in seine Bude. Die Fahrer starrten mich an, entgeistert, dann lachten sie. Der Kaufmann war aus seinem Auto gestiegen. Noch bevor er zu uns herkommen konnte, ging ich auf ihn zu und sagte: Bitte, nehmen Sie mich mit in die Stadt, ich halt es nicht mehr aus. Meinen Paß hab ich in der Tasche.

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