Hühner im Paradies

Ein großer Gemüsegarten, ein Kartoffelacker, Hühner, Bienen, Hund und Katzen, damit konnte ich in Les Grimels meinen Jugendtraum ausleben. Les Grimels ist ein Weiler mit 13 Häusern in den Hochvogesen, im untersten Zipfel des Departement Lorraine in Frankreich. Durch glückliche Umstände konnte ich dort ein dreihundert Jahre altes Bauernhaus mit zwei Hektar Land bewohnen und bewirtschaften.

Das Projekt Hühnerhaltung realisierte ich, nachdem die wichtigsten Kräuter gepflanzt und einige Gemüsebeete angelegt waren. Ein kleiner Kartoffelacker war auch schon in Arbeit. Hinter dem Haus war ein steiles großes Feuchtgebiet. Zuoberst eine gefaßte Quelle. Wenn das Wasser in der Zisterne überlief, verteilte es sich über das ganze Gebiet.

Im oberen Teil entstand auf 500 Quadratmetern das Hühnergehege. Umschlossen mit einem Drahtzaun, den ich auf die ganze Länge bis 35cm in den Boden eingrub. Mit einer Höhe von zwei Metern seien die Hühner vor den Füchsen sicher, sagten mir die Fachleute. Ein Teil des Hühnerhauses befand sich auf Pfählen, damit es waagrecht stand. Die Hühner hatten unter dem Haus ein gutes Versteck. An den Schmalseiten habe ich zusätzlich noch angebaut, auf einer Seite eine mit Hühnerdraht verschlossene Kükenaufzucht-Einrichtung, auf der anderen einen einseitig offenen Unterstand, damit die Hühner im Sand baden konnten.

Das eigentliche Hühnerhaus war groß, problemlos hätten drei Jugendliche darin übernachten können. Die Einrichtung hatte ich nach den neuesten Erkenntnissen einer langjährigen Untersuchung der ETH Zürich befolgt: 30 cm Einstreu, Säge- und Hobelspäne, und eine mit Hühnerdraht verschlossene Kotgrube. Die Sitzstangen auf der Kotgrube hatten alle die gleiche Höhe, so gab es keine Kämpfe um höhere Plätze.

Im Gehege habe ich dann noch zwei Teiche angelegt und einen außerhalb für die Frösche. In den obersten Teich floß das überlaufende Wasser von der Zisterne. Diesen habe ich mit Teichfolie ausgelegt, die zwei darunter ließ ich naturbelassen. Nach kurzer Zeit war die ganze Wiese trocken.


Grafik: Kurt Meier

Nun zu den Hühnern. In einer Hühnerzucht konnte ich den Restbestand von 12 Junghennen kaufen mit einem sehr schönen Hahn. Das Angebot an Hähnen war recht groß. (Männer, also Hähne gabs mehr als genug.) Verteilt, das heißt zusammengepfercht in zwei Pappschachteln, hat sie mir der Verkäufer übergeben.

Auf ihrem zukünftigen Gelände, als ich die Schachteln geöffnet hatte, dachte ich, nun werden sie mit großer Freude heraus ins Gras hüpfen. Denkste. Da sie noch nie Gras gesehen hatten, vergingen ein paar Minuten, bis sie zögerlich aus den Schachteln schlichen. Aber kurze Zeit später war die Freude spürbar, sie fühlten sich wohl in ihrem Paradies von 500 Quadratmetern Grasfläche.

Fortsetzung folgt.

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3 Kommentare zu Hühner im Paradies

  1. Regina sagt:

    wow, eine Luxusvilla für Hühner und Küken, prima auch der stolze Hahn darf nicht fehlen… Hattest du auch Schafe oder Ziegen? liebe Grüße Regina

    • Kurt Meier sagt:

      J‘ nein, nur in Gedanken. In den Gedanken war auch ein Platz für Schweine oder eine Kuh vorgesehen, aber den Tieren zuliebe liess ich sie in meinem Kopf stehen. Dafür habe ich drei Jahre lang Bienen gehalten. Leider musste ich sie weitergeben für einen Platz mehr südlich, die Winter hatten ihnen zu stark zugesetzt. Es war manchmal bis zu 25 Grad im Minus. Ein grosser Hund war von Anfang an dabei und später kamen noch zwei Katzen dazu. Mit ihnen zusammen machte ich stundenlange Spaziergänge.

  2. Regina sagt:

    wie schön! Ja, Bienen, Vögel und Menschen leiden heute an der Zerstörung der Natur durch Elektrosmog. Und Rudolf Steiner provezeite schon damals wie „Verlockungen eines vielversprechenden technischen Zugewinns“ verdecken, wie sehr die flächendeckende Funktechnik die Inkarnation stört…

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