Geschichte einer Mietnomadin 9. Kapitel

Dienstag, 16. Dezember 2008

Rückfahrt nach F. Telefonat nach meiner Ankunft mit Nora, die mir mitteilt, ein Kriminalhauptkommissar des Reviers 15 habe sich bei ihr gemeldet und um detaillierte Auskünfte gebeten. Der Kommissar bat Nora um die Beschreibung von Frau Kanis, mithin dämmert ihnen: der Vogel ist aus- und weggeflogen. Nora schicke ich folgende Beschreibung, die sie, ergänzt um ihre Beschreibung, nach Berlin sendet:

Frau Tanja Kanis ist etwa 1,70 m groß, eher kleiner als größer. Sie hat eine schlanke Figur, ist jedoch nicht dürr. Sie hat braunes Haar, wobei ich im Gegensatz zu meiner Tochter die Haare als dunkelbraun bezeichnen würde. Die Haare, die bis zur Schulter reichen, sind glatt, unten sind sie nach innen leicht eingerollt. Die Form des Gesichts ist oval, eher breiter als schmal. Das Gesicht ist ebenmäßig und zeigt keine besonderen Auffälligkeiten.

Das Erscheinungsbild von Frau Kanis ist ausgesprochen gepflegt. Die Kleidung, die ich in keiner Weise als extravagant, sondern vornehm zurückhaltend bezeichnen würde, dürfte nicht gerade billig gewesen sein. Frau Kanis macht also einen insgesamt seriösen, ja, ich würde sogar behaupten, einen vertrauenswürdigen Eindruck.

Frau Kanis spricht ein dialektfreies Deutsch. Sie ist sehr redegewandt. So wie ich sie erlebt habe, verfügt sie über die gesamte Bandbreite von Ausdrucksmöglichkeiten von der jeden Zweifel ausschließenden Überzeugungskraft bis zum reumütigen Eingeständnis. Beispiel: Als einer der Polizeibeamten am 27. November sie dringend beschwor, ihr Leben zu ändern, gestand sie: Ja, ich habe in meinem Leben schon viel Scheiße gebaut. Im nächsten Augenblick versprach sie, am nächsten Tag bei der Wohnungsübergabe die ausstehenden Schulden mit einer Barzahlung zu begleichen, mit ihren Freunden die ganze Nacht hindurch die Wohnung in einen tipptoppen Zustand zu bringen, und sich am nächsten Montag beim Bürgeramt Berlin-Mitte anzumelden. Das war so überzeugend vorgebracht, dass die Polizeibeamten ihr glaubten.

 E. B. - Mietnomadin 9

Grafik: Elisabeth Endres

Aber, das sah ich kommen: die Wohnung wurde in einem schlimmen Zustand zurückgelassen. Die Mietschuld wurde nicht beglichen. Frau Kanis hat sich bis heute nicht in Berlin bei irgendeinem Bürgeramt angemeldet.

Zunächst glaube ich, endlich werde etwas unternommen. Inzwischen habe ich erhebliche Zweifel. Denn 8 der 11 Fragen hatte ich bereits bei der Strafanzeige auf dem Berliner Polizeirevier durch Informationen beantwortet, die ich nicht nur zu Protokoll gegeben, sondern auch größtenteils mit schriftlichen Dokumenten belegt hatte. Offenbar hatte man sich nicht einmal die Mühe einer Akteneinsicht gemacht.

Fortsetzung folgt.

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