Geschichte einer Mietnomadin 7. Kapitel

Samstag, 13. Dezember 2008

Nora hat für zwei Tage Urlaub beim Theater eingereicht. Wir verabreden uns in Nürnberg, wo wir gemeinsam meine Ausstellung im Albrecht-Dürer-Haus besuchen. Fahren dann mit dem Auto in Richtung Berlin, treffen dort am späten Abernd ein. Nach dem ersten Schrecken beim Betreten der Wohnung sagt Nora: Das gehört nicht mir und das nicht und das auch nicht. Tanja Kanis hat einfach wertlosen Krempel, den sie nicht mitnehmen wollte, in der Wohnung gelassen. Das konnte ich nicht wissen. Meiner Tochter rate ich, heute Nacht nicht weiter die Wohnung zu erforschen. Um 24 Uhr rufen wir Birgitt an und gratulieren ihr zum Geburtstag. Es ist der erste Geburtstag, den ich nicht mit meiner Frau zusammen feiere.

Im Bad, das noch den ordentlichsten Eindruck in der gesamten Wohnung vermittelt, entdecke ich, dass der Stöpsel nicht schließt, nehme ihn ab und erfahre den nächsten Schrecken: das Rohr ist fast völlig verstopft. Beim Reinigen bedauere ich es, nicht meine Gummihandschuhe mitgenommen zu haben, die ich beim Drucken anziehe.

E. B. - Mietnomadin 7

Zeichnung: Elisabeth Endres

Sonntag, 14. Dezember

Am Montag kommt ein Vertreter der Hausverwaltung zu einer vorläufigen Wohnungsübergabe, denn Nora will, völlig entnervt, nicht mehr, wie ursprünglich beabsichtigt, nach ihrer Assistenz in München in diese Wohnung zurückkehren. Sie fühlt sich, was ich nachvollziehen kann, emotional nicht mehr dazu in der Lage. Vorläufige Wohnungsübergabe deshalb, weil die Hausverwaltung über den Vorgang informiert ist und inzwischen weiß, dass sich die Wohnung nicht in einem ordnungsgemäßen Zustand befindet. Also müssen wir in der kurzen Zeit so viel wie möglich in Ordnung bringen. Das heißt vor allem entsorgen und putzen. Ich zähle nicht, wie oft wir die Treppe hinauf- und hinuntersteigen, jedenfalls sind bald alle die für ein großes Miethaus zahlreich aufgestellten und großen Mülltonnen für Papier, Glas und Restmüll voll. Das Übriggebliebene verstauen wir in mein Auto. Vorsorglich hatte ich mich in F. nach den Adressen der Recyclinghöfe von Berlin erkundigt. Von Stunde zu Stunde überraschen uns immer wieder Winkel, wo Tanja Kanis Müll versteckt hat, den ich bei der Wohnungsübergabe vor 14 Tagen nicht bemerkte. In einer kleinen Putzkammer ist der Müll so getarnt, man meint, es handle sich um gestapeltes Verpackungsmaterial. Nora schaut in der Küche in die Schränke und Schubladen nach dem Geschirr und Besteck. Ich beruhige sie, da hätte ich bereits nachgeschaut, das Geschirr sei in Ordnung. Da hatte ich mich aber gewaltig geirrt, denn ich hatte nur die sauberen Schüsseln, Tassen, Gläser und Teller olberflächlich beäugt. Als sie genau hinschaut, findet sie Geschirr, das von angetrockneten, verschimmelten Essensresten nur so strotzt. Dasselbe gilt für die Schüsseln. Sie warnt mich, als ich wieder einmal vom Entsorgen zurückkomme, in eine Schüssel zu schauen, die mit verschimmelten Essensresten zu einem Drittel gefüllt ist. Ihr wurde ganz übel, und sie fürchtete sich übergeben zu müssen. Ich schaue trotzdem hinein und kann meinen Ekel in Zaum halten. Später, als ich auf den kleinen Balkon trete, würgt es mich dann doch. Hier ist der Müll so geschickt versteckt, er entzieht sich den Blicken aus dem Fenster. Er stand lange im Regen und stinkt derart scharf, es ist nicht zum Aushalten.

Fortsetzung folgt.

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