Extrapost 1

Erinnern wir uns an die plattdeutsche Geschichte aus dem Städtchen Brilon im Westfälischen. Hier kommt die hochdeutsche Übertragung:

Den Spieß umdrehen

Römische Soldaten mussten unterwegs immer einen Haufen Zeugs mit sich rumschleppen. Sie durften einen festhalten, der ihnen zufällig über den Weg lief. Dann legten sie ihm das schwere Zeug, das sie für den Krieg brauchten, auf die Schultern. Was blieb so einem armen Kerl übrig? Er musste eine Meile für den Soldaten die Brocken tragen, ohne dafür Geld zu kriegen, versteht sich. Eine Meile, nicht mehr, das hatten die Obersten der Römer festgelegt.

So ist das. Wer das Sagen hat, sagt, wo es langgeht. Und wer nichts zu sagen hat, muss dienen. Das war schon immer so. Aber muss das auch so bleiben?


Zeichnung: Rolf Hannes

Wie es anders geht, wird von Jesus erzählt. Der gab den Leuten um sich herum einen Rat, wie sie den Spieß umdrehen können: Wenn dir ein Soldat seine Sachen auflädt und du dich eine Meile mit dem Zeug abgequält hast, sag einfach, dass du seine Brocken noch eine Meile weiterschleppen willst.

Was nun? Nur eine Meile kann der Soldat sein Zeug andern auf die Schultern legen. Zwei Meilen darf er dazu keinen zwingen, sonst kriegt er eine Strafe. Der Soldat kommt also in Schwierigkeiten. Was soll er machen? Sein Diener hat den Spieß einfach umgedreht. Jetzt hatte er das Sagen, weil er sich nicht damit abfinden will, herumdirigiert zu werden. Und der Soldat? Er ist der Blamierte. Aber vielleicht begreift er dadurch, wie er es hinkriegen kann, selbstbewusst und ohne draufzuschlagen, seinen Drangsalierern Widerstand zu leisten. Wer weiß?

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