Eine Beobachtung


© Holzschnitt R. H.

In einer Stadt, in der ich manchmal einige Wochen meiner Ferien verbrachte, hatte ich ein merkwürdiges Bauwerk entdeckt, einen Obelisk. Ich war ein Landkind, es war der erste Obelisk meines Lebens und ein rätselhaftes und wunderliches Ding, an dessen Kanten und Flächen ich in die Höhe starrte. Er stand inmitten eines Platzes, eine riesige Nadel, die in den Himmel deutete.

Zu diesem Platz strebten vier Straßen im rechten Winkel zueinander und umschlossen Platz und Obelisk gleichmäßig. Eine meiner Beschäftigungen war, mich am Rand einer dieser Straßen zu entfernen, ich lief streckenweise rückwärts (das war in den 50ern noch möglich, weil die Gehsteige noch nicht so vollgepackt waren), dabei den Obelisk unverwandt im Auge behaltend. Das Wunder war: mit jedem Schritt streckte sich der Obelisk und wuchs in die Höhe.

Näherte ich mich ihm, schrumpfte er. Er schrumpfte und wurde plumper. Wenn ich auf dem Platz angekommen war, lohnte es kaum mehr, ihn wegen seiner Größe anzuschaun.

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Ein Kommentar zu Eine Beobachtung

  1. Ursula Gressmann sagt:

    So sind wohl manche Sachen,
    die wir getrost verlachen,
    weil unsre Augen sie nicht sehen. …

    Gruß Uschi

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