Chassidische Geschichte 5

Das kostbarste Buch ist ein Buch mit leeren Seiten.


Tuschfederzeichnung: Rolf Hannes

Ein großer chassidischer Meister hatte stets ein dickes Buch bei sich. Niemandem erlaubte er hineinzuschaun. Wenn er alleine war, mochte er die Fenster und Türen schließen, und die Leute dachten: Nun liest er. So wie jemand kam, legte er das Buch beiseit. Nicht einmal berühren durfte es jemand. Verständlich, daß dies die Neugier entfachte.

Als der Meister gestorben war, stürzten sich die Schüler auf das Buch. Es mußte etwas ganz Bedeutsames bergen. Aber sie waren sehr enttäuscht. Nur eine Seite war beschrieben, der Rest des Buchs war leer. Und selbst auf dieser einen Seite stand nicht viel. Nur ein Satz: Wenn du unterscheiden kannst zwischen Behälter und Gehalt, bist du weise geworden.

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