Chassidische Geschichte 2

Naftali jagt zwei Gescheite davon und küßt einen Dummen.

Federzeichnung: Rolf Hannes

Eines Tags klopfte ein Mann an Naftalis Haus. Naftali öffnete die Tür, und wie es seine Gewohnheit war, fragte er: Warum bist du gekommen? Der Mann sagte: Ich möchte bei dir studieren. Naftali antwortete: Geh woanders hin. Ich bin kein Lehrer. Du findest einen andern, der dich in den Schriften unterweist.

Warum? fragte Naftalis Frau. Warum hast du diesen Mann abgewiesen? Er schien mir ein aufrichtiger Suchender. Naftali sagte: Leute, die sich für das Studium der Schriften interessieren, sind fast immer dumm. Sie wollen etwas verbergen.

Anderntags klopfte wieder jemand andrer. Naftali öffnete die Tür und fragte: Was wünschst du von mir? Der Mann sagte: Ich möchte dir nahsein, um zu lernen wie man der Menschheit dient. Naftali sagte: Hau ab. Du hast an der falschen Tür geklopft. Die Frau war sehr verwundert. Sie sagte: Er fragte nicht nach dem Studium der Schriften. Er schien ein großer Gesellschafts-Reformer zu sein oder etwas ähnliches. Er will der Menschheit dienen: ein lauterer, frommer Geist. Warum hast du ihn zurückgewiesen? Naftali sagte: Die, die sich selbst nicht kennen, die können niemand anderm dienen. All ihr Dienen wird schließlich zum Unheil. Reformer sind unheilvolle Burschen, es sei, sie kennen sich selbst.

Anderntags klopfte wieder jemand. Naftali öffnete die Tür und fragte: Warum bist du hergekommen? Der Mann sagte: Ich bin sehr dumm. Kannst du mir ein wenig helfen, da herauszukommen? Naftali küßte den Mann und sagte: Willkommen. Ich warte auf dich.

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