Chassidische Geschichte 16

Das Geheimnis des Schuhebindens

Tuschefederzeichnung: Rolf Hannes

Rabbi Löb wurde einst gefragt: Du lebtest zwölf Jahre mit deinem Meister, deinem Zaddik. Was hast du studiert dort? Zwölf Jahre sind eine lange Zeit. Welche Schriften hast du studiert?

Rabbi Löb antwortete: Ich habe keinerlei Schriften studiert. Ich war nicht bei meinem Zaddik, um die Thora zu studieren. Ich war dort, um ihn zu beobachten. meinen Meister, meinen Zaddik. Um ihn zu beobachten: wie er seine Filzschuhe aufschnürt, wie er sie zuschnürt.

Er brauchte zwölf Jahre, diese einfachen Verrichtungen zu beobachten, denn alle diese Verrichtungen waren Meditationen:

so wie er atmet,
so wie er aufsteht,
so wie er sich setzt,
so wie er schläft.

Es ist solch ein Geheimnis, es brauchte zwölf Jahre. Erst mußt ich meine eigne Sprache, die ein Hindernis war, vergessen, um meinen Geist von allem, was ich wußte zu reinigen. Dann, nach und nach kamen mir die ersten Lichtblicke. Und nach und nach verschwanden die Wolken, und ich konnte meinen Meister sehn.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.