Sufi-Geschichte 13

An Rettich denken

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© R. H.

Der sufische Weise Abdulalim von Fes lehnte es ab zu lehren, aber von Zeit zu Zeit gab er Leuten einen Wink.

Eines Tags besuchte ihn ein Schüler, der unfähig war zu lernen, sondern förmlich getrieben war, sich mit mystischen Zeremonien zu befassen. Er fragte: Wie kann ich am besten profitieren von den Lehren der Weisen?

Der Sufi sagte: Ich bin glücklich, dir eine unfehlbare Methode anbieten zu können, die deiner Möglichkeit entspricht.

Der Schüler: Und was ist das, falls es mir vergönnt ist, es zu hören?

Abdulalim: Einfach die Ohren verschließen und an Rettich denken.

Der Schüler: Vor, während oder nach den Unterweisungen und Übungen?

Abdulalim: Anstatt ihrer.

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Warum ich schreibe

Draußen Regen.
Drinnen Etta James: At last,
zwei Bücherstapel rechts von mir.
Der vordere Stapel lauter Reclam-
Heftchen. Leicht nach vorne gerückt
der andere Stapel. Das unterste,
alles tragende Buch kann ich
nicht sehen. Jetzt bin ich
neugierig und möchte wissen,
welches Buch da ganz unten liegt.
Aber ich möchte auch den Stapel
nicht verrücken, weil der Stapel mich
grade entrückt. Am liebsten würde ich
in die Knie gehen und nachschauen.
Aber das Buch darüber ist so geschickt
drauf gelegt, dass ich nicht sehen kann,
welches Buch den Stapel trägt.

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Bild: Rolf Hannes

Selbst wenn ich in die Knie gehe und
den Kopf verdrehe. Es ist eine Rhetorik-
Fibel, die alles verdeckt, was ich wissen will.
Dabei war ich doch grade draußen,
wo alles was ich wissen will ist.
Ganz oben liegt ein Buch mit dem Titel:
Du sagst es. Beide Stapel habe ich in
schier unendlichen Versuchen genau
in diese Form gebracht.
Sie dürfen sich nie mehr verändern.
Ich sollte sie fotografieren.
Aber ich habe keinen Fotoapparat.
Nur Augen. Also schreibe ich darüber.
Ich schreibe nur, weil ich keinen
Fotoapparat habe. Und Augen,
die ständig sehen. Auch nachts
im Innern.

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Palästina und Israel

Sehr geehrte Herren,

Am 10.11. hielt ich im Rahmen des Café Palestine Freiburg in einem Hörsaal der Universität Freiburg einen Vortrag zum Thema „Ist der Einsatz für Menschenrechte in Palästina antisemitisch?“ Vor der Veranstaltung haben Sie per Flugblatt ein Redeverbot für mich an der Universität Freiburg gefordert. Sie taten das zwanzig Minuten vor Veranstaltungsbeginn, als es noch leer war: Sie, zwei junge Männer, höflich und zurückhaltend, fast schüchtern, verteilten einen knallharten Text, anonym, ohne Namen der Verfasser. Sie warteten aber nicht die Wirkung ab, sondern schauten, dass sie lieber wieder unerkannt wegkamen. Das hat mich sehr verblüfft. Das ist eigenartiges Verhalten. So als ob der Veranstalterin Frau Dr. Weber oder mir ein Geheimdienst zur Verfügung stünde, der Ihnen schaden könnte.

Ich habe mich gefragt, was Ihre Vorbilder für Ihre Aktivitäten sind. Ein mögliches Vorbild könnten für Sie die Geschwister Scholl sein. Auch sie wollten ihre Flugblätter gegen Unrecht sprechen lassen, sie wollten laut und deutlich ihre Stimme für Menschlichkeit erheben. Und sie wollten anonym bleiben, weil sie wussten, dass es sonst nicht gut für sie ausgehen würde. Daher scheint es mir möglich, dass Sie sich an diesen Helden des Widerstands gegen Unmenschlichkeit orientieren. In diesem Fall könnten Sie auch die Befürchtung haben, dass Sie – wie die Geschwister Scholl – Opfer Ihres Engagements werden könnten: die Scholls wegen ihres Eintretens für die Opfer der Nazis wurden selbst Opfer der Nazis, und Sie könnten vielleicht wegen ihres kompromisslosen Eintretens für Israel den Palästinensern und ihren Freunden zum Opfer fallen. Denn Sie halten diese Leute für mordlustig („mordlustige Antisemiten“ schreiben Sie) und – so befürchten Sie – es droht ein neuer „eliminatorischer“, „mörderischer“, „vernichtungsorientierter Antisemitismus“. So werden Sie vielleicht zu Helden für eine gerechte Sache. Das, so male ich mir aus, ist Ihre Sichtweise: Mich sehen Sie als einen Befürworter des „eliminatorischen Antisemitismus“ und vielleicht auch persönlich als einen mordlustigen Antisemiten: eine Gefahr für Israel und für Sie als Israelfreunde. Sie dagegen warnen und mahnen: Einen solchen potentiell gefährlichen Mann sollte man nicht reden lassen, im Interesse der eigenen Selbsterhaltung.

Das sind ungefähr meine Fantasien darüber, wie Sie sich selbst sehen. Meine eigene Sichtweise von Ihrer Aktivität ist aber eine völlig andere. Das ergibt sich so aus meiner Familiengeschichte. Kennen oder kannten Sie Ihre Großväter? Ich kannte meine nicht. Der eine starb schon 1926 und liegt in Berlin-Weißensee, der andere starb in Auschwitz; wann genau, weiß man nicht. Kennen oder kannten Sie Ihre Großmütter? Ich kannte meine nicht. Die eine ging 1942 in Theresienstadt zugrunde, die andere wurde, 42-jährig, direkt nach der Ankunft des Deportationszuges in Estland erschossen, denn sie hatte ihren gelben Stern in Berlin abgemacht, um zur Friseuse zu gehen; daher war sie eine Kriminelle und wurde in Estland in einer Sanddüne verscharrt. Haben Sie Onkel und Tanten? Mein Vater hatte sieben Geschwister. Das Nazi-Regime überlebten nur er und ein Bruder. Hat Ihr Vater eine Tätowierung? Mein Vater hatte eine, nämlich die Auschwitznummer am Arm. Seine erste Frau und ihre gemeinsamen drei Söhne hatten wahrscheinlich keine: Sie kamen in Auschwitz gleich ins Gas. Daher heiratete 1948 mein Vater meine viel jüngere Mutter: Er wollte noch einmal jüdische Kinder haben. So bin ich aufgewachsen, als Kind der Hoffnung und des Neuanfangs.

Was wissen Sie vom Judentum? Uns Kindern haben dies unsere Eltern vermittelt. In der chassidischen Tradition meines Vaters: Gottes Gebote befolgen, in der Hoffnung auf Erlösung und Befreiung. In der deutsch-jüdischen Tradition meiner Mutter: Judentum als Religion der tätigen Moral. In beiden Traditionen sind Juden deswegen Gottes auserwähltes Volk, insofern sie der Welt ein Vorbild an Moral und Gesetzestreue geben sollen und dies auch wollen. Manchmal in meinem Leben bin ich aus den engen Grenzen der Tradition ausgebrochen, aber ich habe mich auch immer wieder für meine jüdische Gemeinschaft engagiert, habe die Gemeinde Lübeck mitgegründet, war Landesverbandsvorsitzender in Schleswig-Holstein und Delegierter im Zentralrat.

Nichts von meinen jüdischen Werten findet sich wieder im Verhalten der israelischen Regierung. Man hat den Palästinensern ihr Land geraubt, fantasiert sich als ewiges Opfer und leitet daraus die Rechtfertigung ab, Völkerrecht und Menschenrechte außer Kraft zu setzen, völlig außerhalb der jüdischen Tradition. Sie wissen vielleicht, dass vor der Auslöschung des europäischen Judentums durch die Nazis und ihre Helfer der Zionismus eine Minderheitenposition im Judentum war. Gegen den Zionismus waren viele Strömungen: die Religiösen, die Bürgerlichen, die sozialistischen Bundisten, die allgemeinen Sozialisten. Wussten Sie, dass das einzige jüdische Mitglied im britischen Kabinett 1917, Lord Edwin Montague, strikt gegen die Balfour-Deklaration war? Sind das alles „eliminatorische Antisemiten“, weil sie die Idee eines separaten jüdischen Staates fernab der eigentlichen Heimat der europäischen Juden für eine sehr schlechte Idee hielten? Kennen Sie den Bundisten Marek Edelman, überlebender Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto? Wissen Sie, was er von den Zionisten hielt?

Sie wissen vielleicht auch, dass Ihr unfreiwilliges Vorbild Heidegger seine junge Studentin Hannah Arendt anbetete. Wissen Sie, was diese kluge Frau 1945 über den Schwenk der zionistischen Mehrheit hin zur Unterstützung eines „jüdischen Staates“ geschrieben hat? Sie können es in meinem Buch nachlesen. Wissen Sie, dass Hannah Arendt, Albert Einstein und andere hellsichtige amerikanische Juden 1948 in einem gemeinsamen Leserbrief an die New York Times dagegen protestierten, dass Menachem Begin, der Kommandeur des Massakers von Deir Yassin, kurz nach diesem Verbrechen die USA besuchte? Sie nannten ihn einen „Terroristen“ und forderten ein Einreiseverbot. Montague, Edelman, Arendt, Einstein – nach Ihrer Logik alles Antisemiten!

Und nun können Sie vielleicht meine Sichtweise ansatzweise nachvollziehen: Dass mir junge Leute an der Universität Freiburg das Rederecht nehmen wollen, das erinnert mich fatal daran, was an der Universität Freiburg unter dem Rektorat Heidegger und seinen Nachfolgern vor 80 Jahren geschah: „Juden raus!“ Sie sind in meinen Augen nicht die Geschwister Scholl, weiß Gott nicht. Sondern eher Kinder im Geiste derjenigen, die damals die Universität judenrein machten.

Vielleicht finden Sie eine neutrale Person außerhalb Ihres Zirkels, die Ihnen erklären kann, dass Sie sich bei mir entschuldigen sollten. Mit freundlichen, über die Vielfältigkeit des menschlichen Geistes immer noch verwunderten Grüßen

Rolf Verleger
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Prof. Dr. Rolf Verleger
Vorsitzender des
Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung, www.bib-jetzt.de

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Sufi-Geschichte 12

Der Entwurf

Ein Sufi aus der Bruderschaft der Nakschbandi* wurde gefragt: Dein Ordensname meint wortwörtlich Die Entwerfer. Was entwirfst du, und für was braucht man es? Er sagte: Wir sind sehr beschäftigt mit Entwürfen, und sie sind sehr nützlich. Hier ist eine Parabel eines solchen Entwurfs.

Einem widerrechtlich eingesperrten Blechschmied erlaubte man einen von seiner Frau gewebten kleinen Teppich. Alle Tage lag er hingebungsvoll auf seinem Teppich und sprach seine Gebete. Und eines Tags sagte er zu seinen Wärtern: Ich bin arm und ohne Hoffnung, und ihr verdient einen Hungerlohn. Aber ich bin ein Blechschmied. Bringt mir Blech und Werkzeuge, und ich werde kleine Kunstwerke herstellen, die ihr auf dem Markt verkaufen könnt, für beide Seiten mit Gewinn. Die Wärter waren einverstanden, und alsbald machten sie und der Blechschmied ihren Schnitt, von dem sie Essen kauften und Annehmlichkeiten.

Dann, eines Tags, als die Wärter zur Zelle kamen, war der Vogel ausgeflogen.

Viele Jahre später, als die Unschuld des Mannes bezeugt war, fragte ihn derjenige, der ihn eingesperrt hatte, wie er geflohen sei, welche Magie er angewandt habe. Er sagte: Es ist eine Frage des Entwurfs, des Entwurfs innerhalb des Entwurfs. Meine Frau ist eine Weberin. Sie fand den Mann, der die Schlösser der Zellentüren gemacht hat und bekam den Entwurf von ihm. Den webte sie in den Teppich, an die Stelle, die mein Kopf täglich fünfmal berührte. Ich bin ein Metallarbeiter, und dieses Zeichen sah für mich aus wie das Innere eines Schlosses. Ich ließ mir den Plan für die Kunstwerke einfallen, um an das Material zu kommen für den Schlüssel – und ich floh.

Das, sagte der Nakschbandi, ist einer der Wege, auf dem der Mensch seine Flucht vor der Tyrannei seiner Gefangenschaft durchführen mag.


*Nakschbandi ist eine Sufi-Bruderschaft, die von Bahaudin (Buchara 1318 – 1389 ebenda) begründet wurde.

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Das Nakschbandi-Mausoleum in Buchara

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OPHELIA

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Zeichnung: Rolf Hannes

aus der novemberwelt heimgekommen
lockt eine grüne lichtspur ins bad
brandrote locken treiben auf der wasseroberfläche
dein linker wimpernbogen hat eine delle
spitzgebogene nase
feuerwehrmund
geschlossen
kein alarm
das energische kinn dümpelt im wasser

winzige tropfen auf den hügeln deiner haut
rote fingernägel halten unser abendessen
einen fisch, schaumumspielt
sein kopf zwischen deinen brüsten
sein auge teil einer dreieinigkeit
drittes auge und ferner körper
den ich nie so berühren kann
wie ich dich begehre

tiefer unter wasser
die wiederholung von brandrot
schenkel liegen schwer an der badewannenwand
auf dem keramikgrund
folge ich deiner wadenlinie
durch das geriffel von schrundiger ferse zum zehendekolletee
zu grellroten nagelfächern
dazwischen der abfluß

jetzt tot
bist du schön

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Ein Tritt in den Hintern

Den Film, den sich Max, ein Halbwüchsiger in kurzen Hosen, anschauen will, kenn ich schon, und ich will mich nicht ein zweitesmal langweilen. Ich fand ihn sehr durchschnittlich. Ich sage: Das vermag ich nicht, mir diesen Schmarrn nochmals anzusehn. Darauf bedeutet Max mir, das sei nicht so schlimm, er habe den Zweck des Filmbesuchs schon erreicht, nämlich ein Mädchen wiedergetroffen. An seiner Hand hält er ein ziemlich unansehnliches Geschöpf, brav und klein. Wir könnten in ein andres Kino gehn, schlägt er vor.

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Bild: Marianne Mairhofer

Hinter einer Scheibe sitzt ein älterer, mürrischer Mann, er verkauft die Karten. Vor sich hat er an kurzer Leine einen struppigen grauen Köter. Fletscht er die Zähne? Die Karten erwisch ich, ohne gebissen zu werden, aber das Wechselgeld kann ich mir nicht nehmen. Da kommt der Alte ums Eck herum und hält einen Turm Münzen in der Hand. Um mich zu kränken, läßt er sie kurz vor meinen Händen in den Dreck fallen. Ich bin wütend, beschließe jedoch, mich nicht nach dem Geld zu bücken, strafe Mann und Geld mit Verachtung und denke: Er wird sich selbst danach bücken, und dann kriegt er einen Tritt in den Arsch. Tatsächlich winkt er einen kleinen Jungen zu sich und schickt sich an, das Geld aufzuklauben.

Da bricht mein Traum ab. Es reut mich sehr, ihm, dem Alten, nicht einen ordentlichen Tritt in den Hintern verpaßt zu haben.

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Sufi-Geschichte 11

Der königliche Weg

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© R. H.

Junaid*, der Klassiker unter den Sufis, unterwies durch anschauliche Darstellung, indem er das lebte, was er lehren wollte. Einmal wurde er aufgesucht von einer Schar Wahrheitssuchern, umgeben von denkbar größtem Luxus. Diese Leute verließen ihn und fanden das Haus eines äußerst einfachen und asketischen Mannes, dessen Umgebung eindeutig war: er besaß nichts außer einer Matte und einen Krug mit Wasser.

Der Anführer der Wahrheitssucher sagte: Deine Lebensweise und einfache Einrichtung gefällt uns weit mehr als die schockierende Unmäßigkeit von Junaid, der den Pfad der Wahrheit scheints verlassen hat.

Der Asket seufzte tief und fing zu weinen an. Meine teuren Freunde, bei äußerlichen Zeichen, die die Menschen umgeben bei jeder Möglichkeit, sagte er, wißt dies: Laßt ab von eurem Unverstand! Der große Junaid ist augenblicklich umgeben von Luxus, weil er unangefochten ist von Luxus. Und ich bin umgeben von Einfachheit, weil ich unangefochten bin von Einfachheit.


* Junaid von Bagdad (Bagdad 830 – 910 ebenda)

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wenn zombies schlafen

Schlagzeile: Ehrenamtliche Päderasten organisieren Rettungsflüge für versprengte Erdbebenkinder.

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Zeichnung: Rolf Hannes

ein ort ist viele zukünftige orte.
wie beim wetter wird die vorhersage mit
größerem abstand von der gegenwart ungenauer.

meine zukunft ist eine mutmaßung über spuren im jetzt,
eine zeit der auflösung des inhalts und der beschreibung.
die abbildung glüht noch einmal auf, bevor sie verweht.

wenn unsre globale hochkultur zusammenbricht,
hatten wir den letzten versuch.

es bleiben unlesbare daten, korrodierte artefakte, verschüttete
weihnachtsmänner, vom fleisch befreite prothesen,

kein zusammenhang, nur einzelteile.

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Die Rettung der Welt

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© R. H.

Ich kenne das Gefühl, wenn meine Frau glaubt, sie hätte ein bißchen zur Rettung der Welt beigetragen, nachdem sie dutzende Eierkartons fein säuberlich vor dem Untergang gerettet und gestapelt hat, statt sie einfach in den Müll zu werfen. Die Bäuerinnen auf dem Markt, denen sie sie zurückgeben will, schauen verwundert, fast bestürzt. So viele, sagen sie. Nein, eigentlich haben sie noch genug.

Dann taucht die Frage auf, ob wir selbst nicht etwas Sinnvolles damit anfangen können. Isolieren, schalldämpfen? Man kann doch nicht alles, was noch brauchbar ist, wegschmeißen, sagt meine Frau, sagt mein Nachbar.

Unmittelbar, antworte ich ihm, Sie müssen es sofort tun, natürlich dorthin, wo es recycelt werden kann. Wenn Sie erstmal 50 Schachteln gesammelt haben, geht es nicht mehr, jedenfalls viel schwerer. Dann ist man stolz auf sein Gesammeltes. Dann werden es hundert, zweihundert. Und dann kommt die Idee über einen, man könnte damit ein Tonstudio auskleiden, oder sonstwas Nützliches anstellen.

Dann sitzt man in der Falle. Als sich bei uns mal 300 Korken, die schönen natürlichen, angesammelt hatten, streifte uns jedenfalls der Einfall, ein Schiff daraus zu bauen, so eine kleine Ausgabe von Kon-Tiki.

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Der Irrsinn hat Methode.

Kaum glaubte ich, Trump werde den Eliten den Marsch blasen, erfahre ich, sie sind hellauf begeistert und feiern ihren neuen Präsidenten schon im voraus, die Kurse an der Wall Street schnellen in die Höhe. Werden also nur in der washingtoner Administration einige Schranzen ausgetauscht, und alles geht weiter, geht entfesselter weiter?

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© dpa: Trump und Obama im vertrauten Gespräch

Watet Trump nun selbst durch den Sumpf, den er austrocknen wollte? Hieß es nicht, er wolle sich nachdrücklich des Drittels des verarmten Amerikas annehmen? Brauchte er es nur zum Bangemachen? Wie genüßlich wurde kolportiert, er vereinige die weißen ungebildeten Männer hinter sich. Damit nun wieder die weißen, schwarzen, farbigen ganzundgargebildeten Frauen und Männer ihr Tänzchen drehen?

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