Irgendetwas kaputtgegangen 2. Teil

Wenn ich heute – knapp fünfundzwanzig Jahre später – darüber nachdenke, habe ich sofort wieder den Geruch der Waschküche im Keller seiner Eltern in der Nase und den Geschmack von Tiefkühl-Baguettes, mit Salami oder Champignons belegt. Wenn ich in einem Supermarkt vor den Tiefkühltruhen stehe und diese Dinger sehe, muss ich oft an ihn denken. Ein riesiges Panorama an Eindrücken und Erinnerungen baut sich dann in meinem Inneren auf – ähnlich wie beim Öffnen eines Aufklapp-Bilderbuchs. Begleitend dazu sägt sich die Stimme von Kim Carnes in all ihrer Penetranz durch meinem Schädel, und ich verfluche Bette Davis Eyes; ein bei Licht betrachtet gar nicht so übler Song, der in meinem Geburtsjahr zum Welthit wurde.

Mit dem Ausklang dieses langen, warmen Sommertags, dem Ende unserer Freundschaft, wurde mir die Endlichkeit aller Dinge bewusst. Mir wurde klar, dass Menschen nicht einfach nur so sterben, sondern sie sind danach auch wirklich weg und kommen nicht mehr zurück.

Daniel Schöppe - Irgendetwas  kaputtgegangen 2

Zeichnung: Rolf Hannes

Ich ahnte, meine Kindheit war vorüber. In meinem Denken und Fühlen hatte sich etwas verändert. Es war der erste Riss in meinem Leben, und bis heute weiß ich nicht richtig damit umzugehen. Vermutlich mit einer der Gründe dafür, dass ich so geworden bin, wie man es mir dann und wann nachsagt: komisch. Auch wenn ich mir dieser angeblichen Eigenart selbst meist gar nicht so bewusst bin. Für mich zeigt sie sich, wenn überhaupt, in eher beiläufigen Situationen. Zum Beispiel, wenn ich in einer Schlange warte und nervös werde, weil ich es nicht ertrage anzustehen. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, und trotzdem werden auf einmal alle Menschen um mich herum hektisch und verlieren die Geduld. Ist das meine negative Energie? Wenn ich zu viel trinke, fühle ich mich oft grundlos verletzt. In mir verhärtet sich dann ein Eindruck, aussichtslos eingesperrt zu sein. Ich werde traurig und verzweifelt, möchte mit Stühlen um mich schmeißen und davonrennen. Eine schlüssige Erklärung für diese Kränkung finde ich nicht.

Es sind Augenblicke, in denen ich mir eingestehen muss, dass mir etwas verlorengegangen ist. Es ist nicht bloß eine nebensächliche Unvollständigkeit, sondern etwas, dass mir manchmal das Gefühl gibt, so weit von etwas Annehmbaren entfernt zu sein, wie man es sich nur denken kann. Ich habe keine Ahnung, wieso das so ist, aber ich weiß, vieles davon hat mit diesem Bruch in meiner Kindheit angefangen, einem Moment, in dem irgendetwas in mir zuende war.

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Distel

Friedel Kantaut - Distel

Grafk: Friedel Kantaut

Du bist die Distel
in die ich barfuß trete
Du bist der Mut
der mich verlassen hat
Ich bin die Maus
und Du die Falle
und wenn ich da bin
(dann) bist Du matt

Und wenn es möglich wär
ich würd Dich gern genießen
Du bist die Skyline
meiner Lieblingsstadt
will’s mit dir treiben
auch wenn andre töten
Ich verschanz mich
hinter unsrer Lust

Wir verlieren Zeit
die wir nicht haben
Wir suchen Sinn
wo keiner ist
und spielen Spiele
die wir nicht ertragen
Wir schließen Wetten ab
wer von uns zuerst vergisst

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Ein Wort zum Sport

Es ist eine Schande zu was weltweit seit einiger Zeit die offiziellen Sportereignisse mißbraucht werden. Am schlimmsten geht es zu bei Olympiaden, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und ähnlichen Großereignissen. Augenfällig sichtbar wurde das in Rio bei der Olympiade.

Für viele Milliarden werden Sportstadien und –orte errichtet, die der Prunksucht einiger Sportfunktionäre, dem Großmannsgehabe einiger Politiker, und vor allem der Geldgier einer korrupten Elite dienen.

Tausende SportlerInnen quälen sich jahrelang Höchstleistungen ab, um beim großen Ereignis dabeizusein. Nehmen wir an, sie sind nicht Teil der Drogenmafia, dann erleben sie rechtens das Glück, sich zeigen zu können in ihrem Sport.

Aber für viele Funktionäre ist das nebensächlich. Hauptsache, es gibt den auf Höchstleistung getrimmten Sportler, der herzuzeigen ist in vielen Stunden Fernsehübertragung, ob nun mit oder ohne Doping. Mit dieser lästigen Nebensache, sagen sie sich, können wir uns immer noch beschäftigen.

Cristo Redentor auf dem Corcovado in Rio de Janeiro

Cristo Redentor auf dem Corcovado in Rio de Janeiro

Wie zum Hohn thront dieser zementene Christus über allem Spektakel. © Nico Kaiser

Und wir, die Zuschauer, die begeistert die Fahrt eines Kanuten verfolgen und mit ihm glücklich sind, wenn er als Sieger ins Ziel kommt? Wir freuen uns mit ihm und blenden aus, daß 90% der Brasilianer die Olympiade ablehnten. Sie wurden und werden nicht gefragt, wenn gebaut wird, wenn abgerissen wird, wenn vertrieben wird, wenn staatliche Gewalt das Land überzieht zum Schaden der kleinen Leute. Derweil es an Schulen fehlt, derweil es an Infrastruktur fehlt, derweil es oft am Notwendigsten fehlt.

An der Bevölkerung Brasiliens lief die Olympiade vorbei wie ein zynisches Mißverständnis, wie ein falsches, gefälschtes, wie ein vergiftetes Geschenk.

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Irgendetwas kaputtgegangen

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, kommt sie mir meistens wie ein einziger langer Sommertag mit meinem damaligen Freund Thomas vor. Zwei Häuser lagen zwischen denen unserer Eltern; wir waren also Nachbarn und Freunde zugleich. Wir gingen in den gleichen Kindergarten, und an den Nachmittagen spielten wir miteinander. Manchmal im Garten seiner Eltern – manchmal in dem meiner. Wir kletterten in Bäumen rum, krochen durch Gebüsche, die so etwas wie kleine Kobold-Häuschen für uns waren, fuhren mit unseren Kettcars um den Block, oder scheuchten die schneeweiße Angorakatze von Thomas’ Mutter durch die Gegend.

Er war ein lieber Kerl, und ich hatte ihn gern. Er besaß alles, was man sich als Kind erträumen konnte. Ich schätze, ein nicht geringer Teil meiner Sympathie hing mit diesem Umstand zusammen. Ich hatte ein paar Masters-of-the-Universe-Figuren – er hatte mehr oder weniger alle, plus Tiger, Panther, Burgen und Fahrzeuge. So hockten wir dann bei dreißig Grad im Schatten unter dem Dach seines überladenen Zimmers, He-Man, Ram Man sowie der Schnauzbart-Extremist Man-at-Arms kämpften gegen Skeletor, Beast-Man und den Kopfgeldjäger Trap Jaw. Ich fand die Bösen in ihren blau- und dunkelvioletten Farbtönen oft viel cooler als Prinz Adam und Anhang.

Daniel Schöppe - Irgendetwas kaputtgegangen 1

Zeichnung: Rolf Hannes

Die Eltern meines Freunds waren oft nicht zuhause. So konnten wir ungestört unseren Kinderträumen nachhängen. Wir aßen Fertiggerichte und Bounty-Riegel während wir vor der Rappelkiste saßen. Wir hockten vor der Mattscheibe unseres neuen Götzen. Bert und die Raccoons, M.A.S.K., Transformers und Saber Rider waren unsere Favoriten. Auf dem Commodore 64 spielten wir Ghostbusters, was eine gefühlte Ewigkeit brauchte bis es geladen war und direkt im Anschluss daran Sonic the Hedgehog, Mega Man 2 für das Nintendo Entertainment System stand ebenfalls sehr hoch im Kurs, und etwas später zockten wir dann noch Doom und Duke Nukem 3D auf Thomas’ erstem PC. Auf der Jagd nach verborgenen Schätzen krempelten wir die Bude um, funktionierten Betten zu Trampolinen und schmissen uns von einem Sofa aufs nächste. Alles in allem pure Anarchie. Das war viel zu paradiesisch, so konnte es nicht bleiben, das spürten wir.

Das Ende kam nachdem meine Eltern beschlossen hatten umzuziehen, etwa zwei Kilometer entfernt. Ich hab Thomas nie besucht und wir haben uns seitdem seltsamerweise auch nie mehr gesehen. Nicht mal zufällig, was bei der geringen Entfernung nicht ungewöhnlich gewesen wäre.

Fortsetzung folgt.

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Wunderblock 8

Willi van Hengel - Wunderblock 8

Foto: Friedel Kantaut

t a s t a t u r w e l t                             +
sehn:    sich:    suche

an     die     nacht      geknüpft       mit
dunklen   fäden.     aus   ihr   gehüpft
ausgeträumt… um  die   wirklichkeit
einzufädeln …   wie  die   nudelsuppe
um    deine    zunge …      die    langen
fingernägel       machen        dir       zu
schaffen:      sie      zerstören      deine
tastaturwelt.  rest    hautlichen.     die
sehnsucht   verwechselt   sich:      von
den    lippen    der    süßen    zu     mir.

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Euro-Crash

Ist es nur ein Geraune, das durch Deutschland wabert? Oder ist etwas dran, wenn ernstzunehmende Ökonomen davon sprechen, 2017 werde das Schicksalsjahr des Euro. Viele Wirtschaftswissenschaftler wie Heiner Flassbeck, Markus C. Kerber, Wilhelm Hankel, Hans-Werner Sinn, prophezeien unsrer Währung den Garaus. Alle Anzeichen verkündeten das Aus des Euro, so lautet ihre Voraussage. Die spekulierende Finanzindustrie und die darum angesiedelte Elite hätte bis dahin ihr Schäfchen ins Trockne gebracht.

Wenn die EZB die 500-Euroscheine aus dem Verkehr ziehen wolle, sei das ein erster Schritt. Und ganz allmählich wolle man die Europäer überdies dazu bringen, nur mehr bargeldlos ihr Leben zu bestreiten. Es heißt, in Schweden funktioniere diese Bargeldlosigkeit bereits sehr gut. Für Frankreich und Italien wäre die Umstellung keine Katastrophe, wispern deren Regierungen.

Euro-Crash

Zeichnung: Rolf Hannes

Nur die Deutschen stellen sich bockbeinig. Sie hatten schon unter der Abschaffung ihrer geliebten DMark gelitten. Ihnen, denen man als Besiegte allen Stolz und alle Würde gehörig ausgetrieben hatte, fühlten sich wenigstens in ihrer Währung zuhause, wie etwa Frankreich in der französischen Revolution. Mit dem Verschwinden des Bargelds würden die Deutschen ein zweitesmal heimatlos.

Mich beschleicht das Gefühl, alle Bestrebungen Brüssels und ihrer Apparatschiks in Wirtschaft und Politik laufen auf eins hinaus: die Entwurzelung der Menschen, um sie jeder Zeit unter Kontrolle zu halten und sie zu fröhlichen hirnlosen Konsumenten zu erziehen.

Dafür ist das Verschwinden des Bargelds eine Einübung, und es wird gleichgültig sein wie das virtuelle Geld genannt wird. Könnte es Schekel heißen oder Dollar oder Rattendraghi?

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Richard Fach 19. Teil

5. Dezember  Ich bin der Spiegel der bösen Königin und träume heimlich von Schneewittchen. Morgens auf dem Bahnsteig beobachte ich das in meinem Revier auf die Bahn wartende Wild. Beim Aufundabgehn am Gleisrand schätze ich Alter, Schlachtgewicht und erwäge den zu erwartenden Widerstand. Meine nächste Beute soll perfekt sein. Ein Schneewittchen, dem ich die Zukunft als verbitterte Königin erspare. Ein schnelles Nein statt ein endloses Vielleicht. Ich schenke ihr die Gnade, ihre Verwesung nicht miterleben zu müssen und erspare ihrer Kosmetikerin viel Arbeit.

11. Dezember  Endlich bin ich auf dem Rückweg in meine Höhle. Ich entferne mich Kilometer für Kilometer von den Schmerzen meiner Mutter. Kann sein, dass sie mich unter Schmerzen geboren hat, aber das ist längst verjährt. Was geht mich ihre Arthrose, ihr Kniegelenk oder das an, was ihr Hausarzt sagt. Falls es einen Gott gibt, sollte sie das Gebet nutzen, um bei ihm den Pfusch in seiner Schöpfung zu reklamieren.

In der Bahn nach Berlin sitzt auf der anderen Seite des Gangs eine junge Frau im dunkelgrünen Pullover, schwarzer Strickjacke und Strickschal. Ihre derben Schuhe hat sie ausgezogen. Ihre Füße in geringelten Stricksocken liegen auf dem Sitz gegenüber. Sie strickt. Ihr konzentrierter Ausdruck, das Klappern der Nadeln sind so beruhigend, dass ich erwäge, sie anzusprechen und zu fragen, ob sie nicht von Zeit zu Zeit bei mir vorbeikommen könnte, sich einfach in den Sessel setzen, um einige Stunden zu stricken, und dann wieder zu gehen. Natürlich gegen Honorar. Das wäre wie ein Kaminfeuer oder ein Aquarium. Dazu übt die nackte Cellistin.

Friedel Kantaut - Richard Fach 19

Foto: Friedel Kantaut

Später auf dem Bahnsteig muss ich den Lärm von zu vielen Rollkoffern aushalten. Nur damit Millionen Reisende diesen unrhythmischen Krach auf Plastikrollen hinter sich herschleifen können, musste Gott nicht den Menschen und der Mensch nicht das Rad erfinden.

13. Dezember  Es wird immer enger in meiner Wohnung. Mein Rechner bietet mir etwas zum Abballern an. Erst zerstäube ich weiße Hähne zu Federexplosionen. Dann schieße ich auf Weihnachtsmänner, die, wenn ich sie treffe, zum Horizont taumeln. Warum können sie nicht spektakulär zerplatzen. Dann klebten ihr Blut und ihre Eingeweide an der Bildschirminnenseite, und ich müsste das Windowslogo nie wieder sehen.

14. Dezember  Als das Telefon klingelt, lerne ich gerade, übers Wasser zu gehen. Ich muss nur schneller als schwer sein. Das Geräusch bremst mich, und ich versinke. Strampelnd bemühe ich mich an der Oberfläche zu bleiben und atme Wasser. Ich versuche das Telefon zu überhören. Endlich entspanne ich mich, tauche auf und wandere auf Wasser. Unter mir, Seeminen und Raubfische, die nach meinen Beinen schnappen, Strömungen und Unterseeboote. Auf der Flucht und auf dem Wasser ist Geschwindigkeit die Lösung. Das Telefon klingelt weiter.

 Hier findet das Tagebuch von Richard Fach ein vorläufiges Ende.

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Aus späten Gärten

Der Wind wirkt an der Erscheinung der Gärten unsichtbar – er versetzt Bäume und Sträucher in Bewegung, die von ihnen selbst auszugehen scheinen, bei jedem entsprechend seinem Rhythmus. Der Garten ist märchenhaft lebendig. Mir war die Beschreibung fremd, aber der Klang des Worts war Streicheln. Ein Kindheitsgarten, wie ihn nur die wahrnehmen, die Erinnerungen bewahren. Das Gehen an den Pflanzen vorbei war Angenommensein. Mit der abendlichen Augustluft schwebte ein erster Herbst vorbei an weit geöffneten Fenstern.

Angelika Janz - Aus späten Gärten

Bild: Rolf Hannes

Die Dämmerung macht die Konturen hellsichtig und den Blick archaisch. Mit der untergehenden Sonne im Rücken wirst du nahezu blind und nur das Dunkle drängt sich in den Blick während alles Übrige in versunkener Fläche sich ausbreitet.

Die Stimmen der Menschen aus den Gärten des Dorfs sind so nah, dass du die Ohren verschließen möchtest vor der Intimität ihrer Sätze, die sie aufeinander richten wie große Lupen.

Schwer von Früchten und verkapselten Blüten legen sich die Pflanzen gegen die Erde. In diesem Bild kann der Mensch mit der Natur eins sein, sagte jemand, der am Zaun stand im Schein jenes magischen Lichts, das alte Kiefern zurückwerfen, wenn letzte Strahlen der Abendsonne ihre Stämme trifft.

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Tacheles

Es gibt sie ja in allen Lagen und Lagern, die Schönredner, die Schönschwätzer, die nie aufkommen lassen werden, es könne etwas nicht stimmen im Staate Dänemark. Zu finden in unseren Parteien, zumal bei denen, die regieren. Sie bangen um jede Eintrübung, die ihnen ihr Pöstchen rauben könnte. Zuhauf zu finden in den Redaktionen des Rundfunks, in den Redaktionen der Zeitungen. Um sich und ihre Zuhörer und Leser bei Laune zu halten (bei guter Laune!), umhüllen sie die schlimmen Ereignisse mit einem fein gesponnen Garn von Schwafelei, der aufrechten Zeitgenossen die Wahl läßt, es als Dummheit oder Lüge zu empfinden. Meist ist es ein Gebräu von beidem.

Tacheles

Zeichnung: Rolf Hannes

Nun gibt es aber auch eine kleine Gruppe hellsichtiger Menschen, die Widerstand leistet gegen dieses muntere Lügengebräu. Jedem steht es frei, sich eine Kostprobe derjenigen, die sich nicht einfach einseifen lassen bei www.youtube.com anzuhören. Mein Rat: fangen Sie mit folgendem Video an Rüdiger Dahlke über Politik und Medien ruft zum Aufwachen auf. Es ist nichtmal eine Viertelstunde lang und zu finden auf www.mystica.tv . Lassen Sie sich nicht abschrecken von dem Wörtchen mystica. Ich bin kein Mystiker, und Rüdiger Dahlke, was immer er ist, bringt einiges klar auf den Punkt.

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Richard Fach 18. Teil

27. November  Touristenmassen schieben sich wie Gnuherden zu den Futterstellen und durchqueren die Stadt. Unbeeindruckt von den eigenen Opfern durch extremistische Krokodile und Straßenraubtiere wälzen sie sich durch die von brennenden Ruinen umrandete Savanne. Sie verlieren Verirrte und fressen die Welt leer. Dann erfinden die Gnus Religion und Kultur, um ihrem Sterben und dem Krokodil einen Sinn zu geben. Krokodile sind nicht das Ende der Fresskette, bestenfalls die Mitte. Der Allesfresser vereint Jäger und Beute in einer Art. Später werden die Erdmännchen ihre Chronik der Ereignisse schreiben.

28. November  Obwohl ich schon lange Zeit weiß, dass ES da ist, verdränge ich und nehme ES kaum wahr. Heute bin ich in Es hineingelaufen. Es war eine Zone aus Kälte, Widerstand und Feuchtigkeit. Vorher war ES nur eine unlogische Brechung des Lichts, eine Augenwinkelhalluzination. Jetzt habe ich ES berührt. Eine Aura ohne Mensch. Woher kommt ES und warum.? Weil ich Angst habe, paranoid zu werden, gelten Augenwinkelhalluzinationen und Lichtbrechungen nicht mehr. Lass mich endlich in Ruhe.

Friedel Kantaut - Richard Fach 18. Teil

Foto: Friedel Kantaut

29. November  Richard ist paranoid. Der erste Gedanke und die Morgendämmerung. Greta sitzt auf dem Rand des Betts. Ihre Augen unter mit Tusche verklebten Wimpern sehen an sich herab. Abschminken hat nicht mehr geklappt. Sie streift ihren Mantel über, der linke Strumpf rutscht auf ihren Knöchel. Hunger. Schräg scheint das Sonnenlicht, scheint durch die vereiste Scheibe der Balkontür in die Küche. Im Kühlschrank liegt das halbe Hähnchen aus der Zeit vor dem Einschlafen. Wenn mich keiner in den Arm nimmt, will ich wenigstens etwas in den Mund nehmen.

Der gebratene Hahn ist die einzige Beute von gestern Nacht. Gut so. Mit dem muss sie sich wenigstens nicht unterhalten. Sie sichert während der Nahrungsaufnahme in der Frühmorgenküche in alle Richtungen. Das Ereignis von vor gut vierzehn Tagen hat mehr Verwundungen bei ihr hinterlassen als nur eine verletzte linke Hand. Das Gefühl, nicht mehr in ihrem Körper zuhause zu sein, und die sich häufenden Anfälle von Schüttelfrost machen ihr angst. Vor ihr liegt das fettige Tier. Sie gräbt ihre dunkelroten Fingernägel durch die geröstete Haut in das weiße Brustfleisch des Vogels, filetiert mit einer knappen Bewegung ihrer kräftigen Finger eine Fleischscheibe, löst sie vom Gerippe, stopft sie in ihren gierigen, mit Lippenstift verschmierten Mund. Salziger Fleischgeschmack mischt sich mit der Seifigkeit von Kosmetik. Fett tropft .

Fortsetzung folgt.

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