Kopfschmerz

Klecksbildchen @ R. H.

Was alles muß unser gequälter Kopf aushalten.

Wo wollen wir unsern nächsten Urlaub verbringen? Etwa in einem Wellness-Hotel? In einer Unterhaltung mit meiner Frau stellen wir gleichmütig fest: Wellness ist ein beschissenes Wort. Mir wird schier übel, sage ich zu ihr, allein wenn ich es nur auf einem Hotel prangen seh.

Einfache Herbergen, in denen man sich vor Jahren noch rundum wohlfühlte, gehen pleite. Nur weil sie ein einfaches Wohlfühlen für den Gast versprachen, aber kein Programm, keine Maschinen und Maschinchen, keine Wässerchen, keine Düftchens, kein Wellness-Gedöns.

Wir sehen Häuser, nur weil sie sich diesem Umbau zur Schickimicki-Wellnesshysterie verweigerten oder aus baulichen Gründen nicht leisten konnten, leer und allmählich verkommend in der Gegend stehn. Schade.

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ZEN 4

Zwei Mönche betrachteten eine Fahne, die über dem Kloster im Wind flatterte.

Die Fahne bewegt sich, sagte der eine.

Nein, erwiderte der zweite, nicht die Fahne bewegt sich, der Wind bewegt sie.

In diesem Augenblick kam der Meister vorbei. Weder die Fahne bewegt sich, sagte er, noch der Wind sie. Eure Herzen bewegen sich.

Tuschezeichnung: Rolf Hannes


Die ZEN-Geschichten, die bislang in der futura99phoenix fehlten, tragen wir nun hier in den nächsten Wochen nach. Freuen würden wir uns, wenn unsre LeserInnen die bereits erschienenen nochmals entdeckten, ganz leicht zu finden, wenn im Suchkästchen ZEN eingegeben wird.

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Gedankenausflug

Ich warte auf den ersten Gedanken. Der frühe Gedanke fängt das Wort. Aber noch kommt kein Gedanke. Ich warte weiter. Ist mein Geist noch im Leerlauf? In der automatischen Parkposition? Ja, wo laufen sie denn, die Gedanken?

Meist laufen sie ja im Kreis oder wie ein Hamster im Rad. Nun scheinen sie mir über Nacht auf und davon gelaufen zu sein. Vielleicht haben sie sich bei mir nicht mehr wohl gefühlt? Was für eine Vorstellung! Sie sind weggelaufen, schlafen wohlmöglich unter Brücken zusammen mit anderen obdachlosen Gedanken.

Vielleicht hat sie auch jemand mitgenommen an der Autobahnauffahrt. Und sie trampen gerade nach Süden, um sich von der Sonne bescheinen zu lassen, und dann kommen sie in ein paar Wochen braungebrannt und von Grund auf erfrischt zurück. Das wäre was.

Vielleicht hätte ich sie längst zur Kur schicken müssen, meine armen strapazierten Gedanken. Das hält ja auf Dauer keiner aus, wenn immer so viel an ihm herumgezerrt wird. Wenn so hohe Ansprüche an ihn gerichtet werden: Konstruktiv soll er sein, der Gedanke, kreativ zumal, und bitte auch logisch und nachvollziehbar und originell und was weiß ich noch alles. Gut, immer gut soll er sein. Das ist eine ständige Überforderung für so manchen. Da kann man schon mal auf die Idee kommen abzuhauen. Ich verstehe das ja.

Zeichnung: Rolf Hannes

Ups… Wenn ich denke, dass ich das verstehe, muss mir doch ein treuer Restbestand an Gedankenkraft verblieben sein. Vielleicht so eine Art Bodensatz. Oder eine Reservetankfüllung. Mit der will ich dann lieber mal vorsichtig umgehen, damit ich morgen nicht ganz auf null bin, gedankenmäßig. Ich muss mich auch darum kümmern, wo ich Nachschub respektive Nachwuchs her bekomme.

Gedanken gesucht! Sicher kann man welche an jeder Ecke finden und im Dutzend billiger, aber ich bin da schon anspruchsvoll. Ich lasse nicht jeden Gedanken herein. Hochschulreife sollte er haben, mindestens aber eine gute Portion Lebenserfahrung. Und eine gewisse Tiefe.

Es klopft. Ich muss nachsehen. Vielleicht sind die Streuner schon zurück, wollten nur mal frische Luft schnappen. Ob sie mir etwas Schönes mitgebracht haben vom Ausflug?

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Hugo Kükelhaus

Als universaler Denker verließ er nie den Boden des Handwerkers. Sein Fundament war ihm die Erfahrung in seiner Ausbildung als Schreiner.


Hugo Kükelhaus (1900 Essen – 1984 Herrischried)

Einmal unterhielt ich mich mit ihm über den nächtlichen Sternenhimmel, da sagte er: Du mußt, wenn du einen Stern betrachten willst, ein wenig an ihm vorbeisehn. Es gilt, die Dinge der Welt empathisch zu umspielen, nicht starr anzupeilen.

In dutzenden Schriften, Büchern und Vorträgen brachte er diese Phänomenologie zum Ausdruck: Die in ihrer Zerrsplitterung immer eintöniger werdende Umwelt läßt der körperlichen Erfahrung immer weniger Spielraum.

Er war maßgeblicher Initiator der PHÄNOMENA, die weltweit über 5 Millionen begeisterte Menschen erlebten.


Foto: Roland zh: Kugelbrunnen bei Zürichhorn als Erinnerung an die PHÄNOMENA 1984

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ZEN 3

Ein Krieger suchte den Zen-Meister Hakuin auf und fragte: Gibt es so etwas wie Himmel und Hölle? Hakuin sagte: Wer bist du? Der Krieger antwortete: Ich bin der oberste Samurai des Kaisers.

Hakuin sagte: Du, ein Samurai? Mit dem Gesicht siehst du eher aus wie ein Bettler. Da wurde der Krieger so wütend, er zog sein Schwert. Ruhig vor ihm stehend sagte Hakuin: Hier tut sich das Tor zur Hölle auf.

Als er die Gelassenheit des Meisters sah, steckte der Samurai sein Schwert in die Scheide und verbeugte sich. Hakuin sagte: Und hier öffnet sich das Tor zum Himmel.


Tuschezeichnung: Rolf Hannes


Die ZEN-Geschichten, die bislang in der futura99phoenix fehlten, tragen wir nun hier in den nächsten Wochen nach. Freuen würden wir uns, wenn unsre LeserInnen die breits erschienenen nochmals entdeckten, ganz leicht zu finden, wenn im Suchkästchen ZEN eingegeben wird.

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WARUM


Grafik: Friedel Kantaut

WARUM
VERLIEREN WIR IMMER
UND
GIBT ES EIN FUNDBÜRO FÜR SEELEN

BLEIBT UNS MEHR ALS DIE HOFFNUNG
DASS DAS ENDE DER WELT
UNSERER PERSÖNLICHEN APOKALYPSE ZUKOMMT

IST DONALD DUCK
DER EINZIGE GOTT
DAS HIMMELREICH DISNEYLAND

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Gartenarbeit


Dicker, gemütlicher Vierzehnfüßler, unterwegs zu einem grünen Blättchen: Klecksbildchen © R. H.

Nichts ist angebrachter zurzeit, nichts gesünder für Geist und Körper als Gartenarbeit. Wenn man einen hat, einen Garten. Selbst einer im Kleinstformat kann einen erfreuen. Seit wir aus Frankreich weg sind, wo wir wenigstens ein Kräutergärtchen hatten (mit riesiger Wiese drumherum), ist meine Frau sehr unglücklich. Was, sagt sie, geht über frische Minze, was über Salbei, Thymian, Petersilie, Schnittlauch aus eignem Gärtchen. Und all die andern Kräutlein, von denen ich, ich gesteh’s, gar keine Ahnung hatte. Doch ein Frühstück mit 7 frischen Kräutlein oder mehr entzückte meine Augen, meinen Gaumen über alle Maßen.

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ZEN 2

Der Zen-Meister Mu-nan hatte nur einen Nachfolger. Sein Name war Shoju. Nachdem Shoju sein Studium des Zen beendet hatte, rief Mu-nan ihn zu sich ins Zimmer und sagte: Ich werde alt, und soviel ich weiß, bist du der einzige, der diese Lehre weitertragen kann. Hier ist ein Buch. Es wurde von Meister zu Meister weitergereicht, über sieben Generationen hinweg. Und ich habe noch so manches hinzugefügt nach meinem Verständnis. Dies Buch ist sehr wertvoll, und ich gebe es dir, zum Zeichen deiner Nachfolge.

Shoju antwortete: Bitte, behalte das Buch. Ich habe dein Zen ohne Schrift empfangen und war sehr glücklich damit, dankeschön. Mu-nan antwortete: Ich weiß das, aber dieses große Werk ist von Meister zu Meister weitergeführt worden, sieben Generationen lang. Es ist ein Symbol deiner Gelehrtheit. Hier, nimm das Buch.


Tuschezeichnung: Rolf Hannes

Die beiden unterhielten sich vor einem Feuer, und augenblicklich, da Shoju das Buch in seinen Händen hielt, warf er es in die Flammen.

Mu-nan, der nie in seinem Leben wütend geworden war, schrie: Was machst du da? Und Shoju schrie zurück: Und was sagst du da?


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Über die Heiligen


Bild: Marianne Mairhofer

Es mögen mir Flügel wachsen
Ikarus zur Sonne
Blumenmeer in meinem Haar
mir ist es egal
dass Bhagwan im Gefängnis saß
und Jesus gekreuzigt wurde
ich glaube an die toten Heiligen
an die Steuererleichterungen der Sektenführer
an die Predigten der Subventionstranszendenz

ach die Niederungen des Geistes
unter dem stygischen Abgrund
und wir wollen die Wüste
mit Weihrauch besprühen
und jede Kaktee zum heiligen Baum erklären
an dem Buddha ins Nirwana fand
und seine Nachfolger ihre Finanzschwierigkeiten beichteten

ich werde eine riesige Bank eröffnen
mit einem Service
und einer Zinserleichterung
die auch Gott zu unserem Kunden macht
ich möchte die Erde
mit einem gewaltigen Geldschein
vor den ultravioletten Strahlen schützen
und mich auf dem Dach eines Hindutempels sonnen
ach es mögen mir Flügel wachsen

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Ist die Katze aus dem Sack?

So verschieden die Parteien auch waren, die ich in meinem langen Leben gewählt habe, die Christlich Demokratische Union war nie darunter. Seit Adenauers Zeiten hab ich sie beobachten können. Christlich? Millionen Ihrer Wähler waren vor einigen Jahren noch überzeugte Nazis gewesen, Hundertausende unter ihnen in hochrangiger Funktion. Demokratisch? Wenn Verlogenheit demokratisch ist, so ist sie sehr demokratisch, bis zum heutigen Tag.

Weil ihr nun die Felle davonzuschwimmen drohen, besinnt sie sich auf eine wohlfeil christlich-demokratische Taktik. Wenn sie bislang in ihren Reihen eine deutsche Leitkultur ablehnte, so besinnt sie sich jetzt eines besseren. In einem Augenblick, da Frau Merkel in Saudi-Arabien weilt, darf ihr Innenminister die Katze aus dem Sack lassen, vielleicht mal probehalber. Falls es schiefläuft, weil die christlichen Mitläufer zu maulen anfangen, wird man versuchen, sie wieder einzufangen, die Katze, und Angela Merkel, so weit weg, hat dann natürlich nichts davon gewußt, zumindest das sooo nicht gewollt.


Zeichnung: Rolf Hannes

Unsre Nachrichtensprecher fangen schon an, sich zu zieren. Ja, überlegenswert, aber wie soll man denn, und war da nicht was. Verlogenheit, Muckertum, Feigheit, kapitalistische Gier, das waren und sind die vorteilhaften Schmiermittel einer erfolgreichen Partei. Und alles das oftmals gewürzt mit biedermännischer Durchschnittlichkeit.

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