Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus


Zeichnung: Rolf Hannes

Die Leute empören sich über den Sünder, dabei sind nicht die Sünder, sondern die Dummen unsre eigentliche Schande. Es gibt keine Sünde außer der Dummheit.
Oscar Wilde: Der Kritiker als Künstler, 1890

Oft hört man, die Armen seien für Wohltaten dankbar. Einige sind es zweifellos, aber die besten unter den Armen sind nie dankbar. Sie sind undankbar, unzufrieden, eigensinnig und aufsässig. Und zwar ganz zu recht. In ihren Augen ist Barmherzigkeit eine lächerlich unzulängliche Art der teilweisen Rückerstattung oder ein sentimentales Almosen, gewöhnlich verknüpft mit dem skandalösen Versuch des rührseligen Spenders, auf ihr Privatleben Einfluß zu nehmen. Warum sollten die Armen dankbar sein für die Krumen, die vom Tisch des Reichen für sie abfallen? Und eben das gilt es zu begreifen.

Die wahre Vervollkommnung des Menschen liegt nicht in dem, was er hat, sondern in dem, was er ist. Der wahre Besitz eines Menschen ist das, was er in sich trägt.

Einst wurden große Hoffnungen in die Demokratie gesetzt, aber die Demokratie ist (inzwischen) nichts anderes als die Herrschaft des Knüppels über das Volk durch das Volk für das Volk.

Es hat geradezu etwas Tragisches, daß mit der Erfindung jeder Maschine, die ihm die Arbeit abnahm, zugleich auch die Not vieler Menschen wuchs. Ein einzelner besitzt eine Maschine, die die Arbeit von fünfhundert Menschen leistet. Folglich werden diese Menschen arbeitslos und verfallen der Asozialität. Und werden ruhig gehalten, durch das Almosen von staatlicher Unterstützung. Die ihn einschläfert aufzustehn, um sein Recht einzufordern. Wär die Maschine Eigentum aller, könnte jedermann davon profitieren.

Der Fortschritt besteht in der Verwirklichung von Utopien.

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Extrapost 3

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Bartsch,

Ihre Parteifreundin Andrea Horitzky, Mitglied im Vorstand der Kölner CDU, kassiert für die Unterbringung 31 angeblicher Flüchtlinge in ihrem Hotel monatlich 32.500 Euro von der Stadt Köln. Der zugrundeliegende Mietvertrag wurde im Oktober 2017, zu einem Zeitpunkt also, als in den Mainstream-Medien längst das Ende der Asylkrise verkündet wurde, über eine Laufzeit von sieben(!) Jahren abgeschlossen, so daß auf den Steuerzahler Kosten in Höhe von mehr als 2,5 Millionen Euro zukommen.

Am Zustandekommen dieses Mietvertrags waren Sie maßgeblich beteiligt. Nicht nur haben Sie sich bei der Stadtverwaltung für die notwendigen Genehmigungen zum Umbau des Hotels eigesetzt, nein, laut Presseberichten haben Sie auch noch den höchst möglichen Tagessatz von 35 Euro pro Flüchtling für Ihre Parteifreundin herausgeschlagen. Jetzt versuchen Sie sich dadurch herauszureden, Sie hätten nur helfen wollen und seien vielleicht etwas naiv an die Sache herangegangen.

Diese Ausrede nehmen wir Ihnen nicht ab, Herr Bartsch. Erst kürzlich wurde der Fall einer irakischen Zuwandererfamilie publik, für die die Stadt Köln eine Monatsmiete von über 200 Euro pro Quadratmeter und damit 6.720 Euro monatlich bezahlt. Offensichtlich hat es mittlerweile System, daß korrupte Politiker einer raffgierigen Asylindustrie ermöglichen, sich auf Kosten der Allgemeinheit mit der illegalen Masseneinwanderung die Taschen vollzustopfen.

Herr Bartsch, haben Sie zumindest, nachdem die Sache aufgeflogen ist, soviel Rückgrat, die Konsequenzen aus dieser Vetternwirtschaft zu ziehen, treten Sie zurück!

Rolf Hannes

Andrea Horitzky und Bürgermeister Bartsch

 

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Morgenlandreise 9

Morgens in der Nähe der türkisch-irakischen Grenze. Hab die 3. Nacht im Fahrerhaus enes MAN LKWs geschlafen. Auf der irakischen Seite hängen die Wolken bis tief in die Berge. Vorgestern abend, unsre Station war Urfa, saßen wir mit einmal zu fünft in einem Taxi. Ich hatte keine Ahnung, wohin die Fahrt ging. Unterwegs werd ich aufgeklärt, wir fahren in den urfaer Puff.

Ein Weg führt dorthin: wenn ein Filmemacher einen Schützengrabenfilm drehen will, da wär er grad recht. Wir schaukeln hin, das Taxi haut bei jeder Bodenwelle hinten auf.

Genau in dem Augenblick, als wir aussteigen, gehn überall die Lichter aus. Wir stehn knöcheltief im Schlamm. Jemand macht ein Zündholz an. Das Ganze schaut aus wie ein in der Abgeschiedenheit liegendes Bauerngehöft. Ich bemerke drei Soldaten, die sich eine Kerze angezündet haben. Sie stehn am Eingang und kontrollieren die Ankommenden. Einer zieht mir mein Messerchen aus der Rocktasche und verwahrt es in einer Schublade. Wir stolpern weiter. Ich krieg ein bißchen Herzklopfen. Wie bin ich überhaupt hierhergekommen, frag ich mich.

Diese Zeichnung ist nicht aus meinem Reisebuch, sie entstand um 1990.

Mit einmal gehts Licht wieder an. Matsch, Matsch überall. Ein aufgeweichter Bauernhof-Hof. Herumgehende, sich gegenseitig begaffende Männer. In kleinen Holzverschlägen hocken, liegen, stehen die Huren. Fette, dickbäuchige, dürre alte Fetteln. Meine Begleiter, handfeste türkische Fernlastfahrer, schauen sich, schauen mich an. Ich grinse verschämt, belustigt, abwehrend. Eine Alte, mit Zahnlücken und faltigem Hängebauch ruft mir zu: John, komm ficki-ficki, und krault sich das Höschen zwischen den Beinen. Ich bin so wenig scharf wie selten. Richtig fromm werden könnt ich in dem Bau. Einige Auslagen sind leer. Da fehlen die, die eben ihre Nummer machen. Dort stehen die meisten Männer, wahrscheinlich warten sie auf die appetitlichsten Huren. Unmöglich für mich, merk ich, der Gedanke: ich könnte der nächste sein.

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Es lebe der Aphorismus! 3


Bild: Marianne Mairhofer

Der 239. von 365

Konsequenz eines wie auch immer gearteten künstlerischen Erfolges ist in dieser Konsumgesellschaft das Konsumiertwerden.

(Der Witz liegt in der Charakterstruktur. Es bedarf eines Willens zur Kunst und somit einem Etwas, das über der bloßen Konsumierbarkeit liegt.)

Dagegen steht immerhin noch das sensitive Empfinden eines Willens zur Ästhetik. Da aber auch diese Ästhetik in die Konsumierbarkeit hineinläuft, sitzt man automatisch in der Kunstfalle, wie dies Thomas Bernhard treffend nannte. Da kommt man nicht mehr heraus und verliert sich, erfolgreich oder nicht, in der eigenen Subalternation.

Hier eingetaucht, harrt man der Entdeckung. Man ist längst bereit, sich konsumieren zu lassen, da man in der Kunstfalle dem Zwang zur Form unterliegt. Sprengt man die Form aus Lust am Zerhauen, entsteht wieder Form ad infinitum. Und auch das wird konsumiert.

Da man weniger als eine Alternative hat (aufhören, Kunst zu machen?), wird der so belämmerte Kunstmensch ein Golem seiner selbst. Ein Kunstmensch ist somit, erfolgreich oder nicht, ein verhunzter und versauter Mensch.

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Die Mode


Bild: Marianne Mairhofer

Einfalt ist der Mode eigen,
der Kunde wird umgarnt,
man kann ganz selten Neues zeigen,
drum wird das Alte nur getarnt.

Von dort den Knopf,
von hier den Stich,
ein alter Zopf
für dich und mich.

Hier oben kurz,
da unten lang,
es ist doch schnurz,
ob es gelang.

Der Name Qu,
die Inschrift Z,
das ist der Clou
und wirkt adrett.

Den Namen kennt
die Frau von Welt,
der ist der Trend,
nicht was gefällt.

Hier stimmt der Preis,
für den der spinnt,
so mancher Scheiß
hängt nun im Spind.

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Morgenlandreise 8

Kunst ist Eingriff
Indiskretion
Verletzung
Gemachtes

Im eigentlichen Sinne kreativ ist nur das Leben. Auf der Hafenmole, zwischen den von der See ausgespülten Steinen kaninchengroße Ratten. Die Kinder stöberten sie auf mit Stöckchen und warfen Steine nach ihnen. Und lachten und freuten sich, verschreckt waren nur die Ratten. Es heißt sogar, die armen Leute würden sie braten.


Dieser Fahrer nahm mich einen Tag lang mit.

Chinesisch bin ich im Jahr der Ratte geboren.

War in einem Lokal (Musik und Bauchtanz, Wasserpfeife), und es ist üblich, einem in dem Abortraum hockenden Mann ein Trinkgeld zu geben, etwa 50 Kurus (eine halbe türkische Lira). Ich hatte nur große Scheine in der Tasche.* Beim zweitenmal war ers leid, mich ungeschoren wieder gehn zu lassen. Wütend verstellte er mir den Weg. Ich halte ihm einen Hunderter unter die Nase. Er wird immer böser. Nimmt meinen Schein, verschwindet für einige Sekunden, steht vor mir, hält mir einen Fünfziger hin. Jetzt werde ich sauer, schaue auf den Schein und warte. Er tut noch einen Zehner dazu. Ich warte und fange zu fluchen an. Er: noch einen Zehner, und drückt sie mir in die Hand. Ich: noch saurer, halte meine Hand hin und mache ein unmißverständliches Zeichen, raus mit den Piepen. Und dann feilschen wir noch eine Weile um noch 2 Zehner. Dann zieh ich ab. Er hat seine 10 Lira bekommen, für zweimal pinkeln. 1 cay kostete 2, ein kawe 4 Lira (und das mit Ausländeraufschlag).


* Ich hatte immer nur Scheine zum Zahlen, weil kaum jemand das Wechselgeld rausgab. Das war der stillschweigend vorausgesetzte Bakschich des vermeintlich Reichen für den vermeintlich Armen. Obwohl ich mit jedem Penny rechnen mußte.

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Es lebe der Aphorismus! 2

Der 224. von 365


Bild: Marianne Mairhofer

Zwischen die Wissenskuriositäten stauen sich alle möglichen Vorstellungen und Fehlinterpretationen, viel Halbwissen und Dummheiten. Ich bin zu 80 Prozent damit beschäftigt, dieses Halbwissen und diese Dummheiten aus meinem Wissenssortiment zu filtern.

Entschuldigen Sie, sagt der Kunde am Wissenskiosk, das hier ist aber schon abgelaufen. 
Ach, sage ich. Schauen Sie mal, das ist sehr alt. Wissen kann dann wieder schmecken. Es ist wie mit dem Wein.

Der Kunde blickt skeptisch. Er möchte nur frische Ware haben. Und ich gebe ihm die neueste Psychologie-Studie, damit er was zum Kauen hat. Dazu ein paar aktuelle Theorien zum Universum. Der Kunde bedankt sich und geht glücklich seiner Wege. Das alte, abgelaufene Wissen stelle ich zurück ins Regal.

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Urbane Skizze 1

Wir sehen uns nächsten Sommer, sagt mein Spiegelbild und bleibt im Fahrstuhl zurück. Was noch bleibt ist Nachdenken auf weißem Papier. Der Abend vertreibt einen Sommertag. Die Sonne trägt Kriegsbemalung. Lange Schatten umzingeln unsere Wagenburg. An einem der Abende, die immer früher den Tag abschneiden, treibe ich über einen Flohmarkt. An beiden Ufern Armeen von Staubfängern und Kunstdrucke, die in trostlosen Wohnungen Stil und Kultur an die Naturputzwände malen, auf Tapeziertischen und die flanierende Meute. Graffiti eingesperrt zwischen Holz und Glas. Später auf einen Sekt und einer Performance in die angesagte Galerie.


Grafik: Friedel Kantaut

Gibt es noch Hoffnung für die Bildende Kunst? Vielleicht mit dem richtigen Schuhwerk. Die Saison der Strandlatschen ist vorbei. Es beginnt eine Zeit des Mangels für Fußfetischisten. Mangel braucht Manager. Brauchen Manager den Mangel? Armut tötet Poesie. Glück ist relativ, ist eine Erbsensuppe, der Abriss einer Mauer, in der Nacht auf einem Dach stehen und trinken, ein gutes Buch, bevor man merkt, dass in der Mitte Seiten fehlen, oder nur die Abwesenheit von Unglück.

Händler versuchen mir Gefühle zu verkaufen, die nicht in meine Hosentaschen passen. Wintergefühle sind gratis. Die Sonne kämpft sich noch einmal durch die Wolkenwand. Die Zeit steht. Ich genieße Bilder, den goldenen Flaum auf den rosigen Waden einer jungen Frau, ich versöhne mich den gelangweilten Gesten eines mit Metall gespickten Paars in schwarz, Nebelkrähen durchsuchen den Restmüll nach verlorengegangenen USB–Sticks. Nur der Typ mit dem White Storm-Aufnäher an der Bomberjacke steht mir im Licht.

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Morgenlandreise 7

Ich frage mich, ob Muselmaninnen ihre Schamhaare auszupfen. Was sie wohl sagten, wenn sie mich sähen, so schön glattrasiert um mein Vorderteil herum, wie ich hier sitze. Habe mir irgendwo unterwegs Läuse eingefangen und mich sorgfältig bis auf die Knie herunter rasiert.

Uwe Sch. schrieb mir aus Indien, er habe dort eine Frau, stehend wie ein Mann vor einem Baum ihr Wasser abschlagen sehn. Im Mittelalter war es möglich, daß eine Frau, auf einem Reittier sitzend, ihre Röcke hob und von oben herabpißte. Sie saßen ja auf dem Tierrücken wie auf einer Bank, und Unterhosen kannte man damals noch nicht, als sie aufkamen im späten 18. Jahrhundert, empfand man sie als unanständig.

Auf den ländlichen Klos ist das Loch so klein, daß du gerade immer vorbeischeißt, oder du triffst es einmal, dann pißt du dir die Schuhe voll. Du hast die Wahl. Wen das interessiert? Mich. Sehr. Ich komme gerade von einem solchen Ort. Die Lampe brannte nicht. Gestern ging sie noch. Die Lampe über meinem Waschbecken geht auch nicht. Eine Glühbirne kostet 11 türkische Lira. Hab überlegt, ob ich eine kaufe und einschraube. Auf meinem Nachttisch gibts erst gar keine Lampe.

Alles bleibt wies ist. Hab im Klo eine Zeitung zwischen Wand und Fenster geklemmt (Klopapier hab ich noch in keinem Abort angetroffen). Die bleibt dort. Wenn ich in 3 Jahren wieder hier vorbeikäme, ich bin überzeugt, sie ebenso anzutreffen. Das ist nun wiederum etwas Tröstliches.


Die Weite Anatoliens

Ich werde mir hier alles von der Seele schreiben, sozusagen ins Unreine. Meine Reise geht in meine Eingeweide. Erlaube dir keine poetische Absicherung!

Im münchner Hauptbahnhof, bevor mein Zug ging, wollt ich mir einen Porno ansehn. Heiße Fracht für Tanger, oder so ähnlich. Also: ein Mädchen schwankt vor einem Spiegel hin und her. Es ist nackt, bis auf die Schuhe, und du denkst dir, aha, der ist schlecht. Das Mädchen wankt und wankt, im Hintergrund mit verschränkten Armen und teuflischem Grinsen ein Mann. Aha, der hat ihr was in den Kaffee getan.

Mehr und mehr wankt sie, dann braucht er sie nur noch wie eine reife Frucht in seine Arme fallen lassen und auf eine Liege bringen. Dann betatscht er sie. Sie stöhnt, zwischen Abwehr und Ohnmacht. Und dann zieht er sich die Hose aus, nimmt ihre Beine auseinander und fällt drauf. Sein Arsch ist so weiß und pickelig, so widerwärtig unerotisch, mich hats nicht mehr gehalten in dem Kino. 5 Minuten Porno, dann stand ich wieder draußen.

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Es lebe der Aphorismus!

(Der 225. von 365)


Radierung: Rolf Hannes

Das Problem sind nicht die Eliten, die gab es immer schon. Das Problem heute sind Menschen wie du und ich, also die, die nicht zur Elite gehören, und die zur Transgression neigen. So verlangt man von mir bei meinen Vorträgen die Sprache der Eliten zu sprechen. Weiche ich von diesem Skript ab, werde ich bestraft, nicht ernst genommen, oder es wird gutmütig angenommen, diese Abweichung sei selbst elitären Ursprungs. Da ich ja ansonsten elitäre Sprache verwende, wird die Abweichung durchaus – findet sie im Rahmen des Erlaubten statt – als originell gesehen. Die Elite kritisiert sich gerne selbst. Jetzt aber weht ihnen ein harter Wind entgegen in Form von Ablehnung durch die nicht elitäre Klasse derer, die genug haben von dem Schein der Liberalität.

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