Sufi-Geschichte 20

Ein Mann, der Möwen liebte


© R. H.

Ein Mann lebte an der Küste, und er liebte Möwen. Jeden Morgen ging er zum Wasser um mit den Möwen herumzubummeln. Mehr und mehr Möwen kamen in seine Nähe, es waren hunderte.

Sein Vater sagte eines Tags zu ihm: Wie ich höre, streifen die Möwen mit dir herum. Bring mir einige mit zum Vergnügen.

Anderntags, als er zur See kam, tanzten die Möwen über ihm und kamen nicht herunter.

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Udo Ulfkotte ist tot.


© Flickr.com

Vor wenigen Tagen starb Udo Ulfkotte, knapp 57 Jahre alt. Er war für die Mainstreampresse und die Mainstreampolitiker ein rotes Tuch. Er war nicht nur umstritten (wie sie jetzt unisono sagen) bei den elitären Strippenziehern, er war ihnen verhaßt. Er wußte zuviel über die Mauscheleien und kriminellen Machenschaften der etablierten Parteien und Medien. Sie hätten allen Grund gehabt, ihn aus dem Verkehr zu ziehn. Und einige aufrechte Zeitgenossen äußern das auch.

Was mich angeht, so kann ich mir vorstellen: Eine solche Hexenjagd, der Ulfkotte in den letzten Wochen ausgesetzt war, genügt schon, einem Herzinfarkt zu erliegen. Jedenfalls hat uns mit ihm ein unerschrockener Journalist verlassen, der für Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit kämpfte.

siehe auch meinen Artikel Gekaufte Journalisten vom 21. 1. 2015

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Eine gewagte Meditation 4. Folge

Eine chemische Vorbedingung für innere Stimmigkeit ist ein Gleichklang von Verstand und Gefühl (Wert und Lust). Trauen wir unseren Sinnen, dann gibt es einen realen Wert. Es gäbe objektive Wahrheit. Im Deutschen gibt es das schöne Verb wahrnehmen. Aber wir wissen um die Schwierigkeit des Zusammenhangs von Symbol und Objekt. Seit dem 17. Jahrhundert haben wir eine bestimmte Denkweise ausgebildet: den psychophysischen Reduktionismus. Wir sind nun, dreihundert Jahre später, skeptisch geworden gegen die Erwartung, dass die physikalischen Wissenschaften (Chemie, Biologie, Physik) eine Theorie von allem liefern können. Denn diese müsste imgrunde eine historische und eine zeitlose Dimension haben. Eine Theorie von allem müsste also auch unser So-Sein als Wertesubjekt erklären können und zwar letztlich physikalisch. Bislang aber sind unsere Symbole nur Ersatz für das reale Objekt.


Friedrich Eduard Bilz (1842 – 1922): Erkenne Dich selbst

Die Substanz ist das, woraus etwas besteht. Hier ist es unser Begriff für das Selbständig Seiende. Betrachten wir zwei Substanzen und ihre Wirkung auf das Gehirn.

Alkohol: er spricht das Gefühl an und schlichtet die Erregung des Verstands. Daher ist Alkohol ein bevorzugtes Massen-Antidepressivum. Es unterdrückt unsere Skrupel und enthemmt die Gefühle. Alkoholische Euphorie ist emotional. Cannabis dagegen spricht den Verstand an und das Gefühl. Cannabinoide Euphorie ist intellektuell. Das heißt: Der Verstand ist eine Art Tonikum für das Gefühl, und das Gefühl ist ein Sedativum für den Verstand. Für den denkenden Menschen ist vieles eine Komödie, für den fühlenden Menschen ist vieles eine Tragödie. Viele menschlichen Tragödien spielen sich unter Einfluss von Alkohol ab. Aber Lust und Unlust zu empfinden, ist die Basis für menschliches Leben. Für Depressive empfiehlt sich daraus die Psychoanalyse. Alkohol wirkt auch chemisch (analytisch?) auf ältere Hirnregionen, insbesondere des Stammhirns (limbisches System). Alkohol ist schließlich ein Lösungsmittel für blockierte Emotionen.


Franz Joseph Gall (1758 – 1828): Die emanzipierte Frau des 18. Jahrhunderts

Der Wirkstoff von Cannabis sorgt dagegen für eine Reizüberflutung in höheren Hirnregionen. Es ist ein Lösungsmittel für den Verstand. Es kann aber auch unter seinem Einfluss leicht zu Psychosen kommen, also zu Denkstörungen. Man sollte eine innere Stabilität und Reife mitbringen, um es schadlos zu verkraften. Für alle Verstandeskrankheiten wie etwa die Schizophrenie empfiehlt sich daher jede Therapie, die beruhigt: Schon die Aussage, man habe ein Heilmittel, kann einem empfänglichen Menschen helfen. Letztlich beruht jegliche Psychotherapie auf diesem Trick. Je kränker der Verstand, desto simpler das Sedativum (die beruhigenden Worte). Bedenken wir jedoch: Der überreizte Verstand braucht Orientierung durch Wahrhaftigkeit. Der Verstand braucht Werte. Das Gefühl dagegen Lust. Wir schwanken in unserem Inneren zwischen Wert und Lust.

Fortsetzung folgt.

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John Berger

© Ji-Elle 2009

Viele meiner Freunde verlassen mich. Auch meine Luft wird dünner, ich merk es alle Tage. Nun, seit vorletztem Montag fehlt mir John Berger. Er wurde 90 Jahre alt und blieb bis zuletzt einer der aufrichtigsten, aufrechtesten Streiter für die schönen und richtigen Dinge des Lebens. Als Essayist und als Dichter, Filmemacher und Maler.

Als er 1972 den Booker Prize mit den Black Panther teilte, kam es zu einem Skandal, der ihn aus seiner Heimat England vertrieb. Seither lebte er in einem Dorf in Savoyen, unter Bauern, dessen Leben er in hinreißenden Romanen schilderte.

Ich entdeckte ihn vor vielen Jahren in einer seiner kunsttheoretischen Schriften: Das Leben der Bilder oder die Kunst des Sehens. Seither las ich von ihm alles, was ich auftreiben konnte. Und manchmal schrieb ich mir aus seinen Romanen ganze Sätze ab. Wie diesen hier:

Die meisten Kühe hatten sich niedergelegt. Am Anfang drehten sie den Kopf in Richtung, aus der die Musik kam, und die Ohren derer, die ihr am nächsten waren, richteten sich forschend auf, doch schon bald merkten sie, daß die Musik nichts weiter darstellt als sich selbst, die Ohren entspannten sich, und sie legten den Kopf wieder auf die eigene Flanke oder die Schulter einer Nachbarskuh.

Berger blieb einer meiner Lieblingsschriftsteller. Es gelangen ihm Sätze, die mich entzücken wie schubertsche Musik.

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Sufi-Geschichte 19

Blindheit

Saadi* sagte:

Ein Mann hatte eine sehr häßliche Tochter. Er verheiratete sie mit einem blinden Mann, denn niemand andrer würde sie haben wollen.

Ein Doktor machte sich anheischig, den Blinden zu heilen. Aber der Vater erlaubte es nicht, vor Angst, der Mann würde sich scheiden lassen.

Saadi befand: Der Ehemann einer häßlichen Frau ist am besten blind.


*Saadi Shirazi (Schiraz/Iran etwa 1200 – etwa 1292 ebenda)

Ein Gedicht von Saadi in persischer Kalligraphie

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seemannslied


Foto: Ursula Gressmann

grün sind die meereswogen
und aus der tiefe locken nixen
zwischen seeanemonen und tangfelsen
mit ihrem weißen schlanken leib

wandten schlagen
segel knattern
der sturm braust

am bug des schiffs der seemann seufzt
denkt an den hafen in amsterdam
mit seiner liebsten dort

wahrscheinlich ist sie gerade vergnügt
küsst längst einen andern maat

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Noam Chomsky


N. C. bei einem Vortrag 2015

Avram Noam Chomsky wurde am 7. Dezember 1928 in Philadelphia als Sohn jüdischer Eltern geboren. Er feierte also vor wenigen Tagen seinen 88. Geburtstag. Noch weilt er unter uns, geistig sehr rege und auf der Höhe der Zeit. Hin und wieder meldet er sich zu Wort, hält allerorts Vorträge, aber die gleichgeschaltete überregionale Presse nimmt kaum Notiz davon. Das verwundert nicht, bedenkt man, wie er das bestehende kapitalistische Denkmuster angreift, mehr als das, in Bausch und Bogen verurteilt.

Er muß erst sterben, dann kriegt er seine Nachrufe, dann werden sie ihn belobhudeln, die jetzt grimmig an ihm vorbeisehn, die Journalisten unsrer feigen Presse und Rundfunkanstalten. So wie sie jetzt nicht den Mut aufbringen in ihrer verlogenen Angepaßtheit ihm zuzustimmen, dürfen sie dann Wohlwollen heucheln.

Chomsky bezeichnet sich als Libertären Sozialisten, er ist Mitglied der Organisation für eine Partizipatorische Gesellschaft (IOPC). Eine Organisation, vor der sich die elitären Strippenzieher bekreuzigen.

Chomsky ist aber nicht zur Hauptsache in der Politik unterwegs, er ist einer der genialsten Wissenschaftler unsrer Zeit. Als Linguist und Mathematiker hat er bahnbrechende Werke veröffentlicht. Wikipedia gibt Auskunft darüber. Siehe auch meinen Beitrag vom
15. Juni 2014: Noam Chomsky

 

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Sufi-Geschichte 18

Hirngespinste


© R. H.

Es gab einen Mann, der vermißte seine Axt, und er verdächtigte einen Jungen in der Nachbarschaft. Er beobachtete das Gehen des Jungen: der hat seine Axt gestohlen.

So wie sich der Junge ausdrückte, sprach, sein Benehmen, alles von ihm deutete darauf hin: er hat die Axt gestohlen.

Bald darauf grub der Mann in seinem Garten, und er fand die Axt hinter einigen Sträuchern. Anderntags sah er den Jungen wieder in der Nähe seiner Tür. Nichts in seinem Benehmen, seiner Haltung deutete darauf hin, er würde je eine Axt stehlen.

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Tanz der Flocken


Zeichnung: Rolf Hannes

majestätisch schweben sie
herab im weißen kleid des winters
stöbern und stieben
im wind der nacht
die pirouetten im licht der sterne
ihr frostig süßes lächeln
im letzten aufbäumen gegen den
unaufhaltsam steten fall
dann legen sie sich nieder
einverstanden
flocke für flocke
zusammen
eine dichte decke

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Gruß zum neuen Jahr

Allen an der futura99phoenix Mitarbeitenden, besonders aber den treuen Lesern wünschen wir fürs Jahr 2017 viel Schwung und Bewegung.

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